Einen Tag nach dem Malvinas-Banner der argentinischen Nationalspieler in Atlanta hat Präsident Javier Milei versucht, den Vorfall herunterzuspielen. „Fußball und der Falkland-Konflikt dürfen nicht vermischt werden“, sagte Milei laut ZDFheute noch am Abend des Halbfinales dem Sender Radio Mitre. Wie wir am Donnerstagmorgen berichteten, hatten die Spieler nach dem 2:1 über England ein Transparent mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ hochgehalten und damit ein Verfahren der FIFA ausgelöst.

Milei distanzierte sich nicht von der Aktion, ordnete sie aber diplomatisch ein. „Wir machen diplomatisch enorme Fortschritte. Es ist uns gelungen, die UN dazu zu bewegen, England zu Gesprächen mit uns zu zwingen. Aber lassen wir uns nicht täuschen, es ist nur ein Fußballspiel“, sagte er dem Sender. Gegenüber argentinischen Medien nannte der Präsident zudem eine konkrete Größenordnung für die zu erwartende Strafe: Im schlechtesten Fall drohe dem Verband AFA eine Geldbuße von rund 30.000 US-Dollar, wie La Nación und Infobae aus Buenos Aires meldeten.

Es ist nur ein Fußballspiel.
- Javier Milei, Präsident Argentiniens, im Interview mit Radio Mitre

In London wird der Zwischenfall dagegen politisch aufgenommen. Die Regierung von Keir Starmer hat die FIFA nach Angaben des Tagesspiegel und der Schweizer Watson formell aufgefordert, gegen den argentinischen Verband zu ermitteln. Wirtschaftsminister Peter Kyle sagte im BBC-Fernsehen: „Wir erwarten von der FIFA, dass sie das untersucht. Politik sollte sich vom Fußball fernhalten.“ Auf Watson zitiert bezeichnete Kyle das Transparent zusätzlich als „völlig unangemessen“.

Deutlicher wurde der frühere britische Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood. „Hier ging es nicht nur darum, England zu provozieren, sondern auch darum, Argentinien dabei zu helfen, die Demütigung von 1982 zu verarbeiten“, sagte Ellwood laut Watson und nannte den Auftritt eine „jämmerliche Aktion“. TV-Moderator Piers Morgan bezeichnete die Spieler auf X als „klassenlose Idioten“ und wünschte sich, Spanien möge Argentinien im Finale so deutlich schlagen wie Großbritannien im Falklandkrieg.

Wortmeldungen aus Buenos Aires

Innenpolitisch verläuft die Debatte nicht einheitlich. Vizepräsidentin Victoria Villarruel, die England bereits vor dem Anpfiff „Piraten-Usurpatoren“ genannt hatte, verteidigte die Spieler mit den Worten „Es war kein Spiel wie jedes andere“, wie Watson berichtet. Außenminister Pablo Quirno legte laut derselben Quelle nach und warf der britischen Marine eine „illegale“ Präsenz in argentinischen Gewässern vor. Milei nimmt damit die weichere Position innerhalb seiner eigenen Regierung ein - die Trennlinie zwischen Präsident und Vizepräsidentin ist mit dem Banner öffentlich sichtbar geworden.

Mittelfeldspieler Leandro Paredes ordnete das Transparent im Namen der Mannschaft ein. „Wir waren uns bewusst, was dieses Spiel für dieses Land bedeutete“, sagte er laut Tagesspiegel. „Wir haben versucht, unser Land und all diejenigen zu vertreten, die diesen traurigen Moment unserer Geschichte durchlebt haben.“ Der Weltverband hat sich bis Donnerstagmittag zu den britischen Vorwürfen nicht öffentlich geäußert, wie Watson und Sportschau übereinstimmend berichten. Als Präzedenz gilt eine Strafe von rund 30.000 Schweizer Franken, die die FIFA 2014 nach einem Malvinas-Banner beim Testspiel gegen Slowenien gegen die AFA verhängte - eine Größenordnung, die Mileis Prognose stützt.

Bis zum Endspiel am Sonntag um 21 Uhr MESZ gegen Europameister Spanien im MetLife Stadium bleiben drei Tage, in denen die FIFA-Disziplinarkommission das Videomaterial und die Schiedsrichterberichte auswertet. Ein Turnier-Ausschluss so kurz vor dem Finale gilt als praktisch ausgeschlossen; realistisch ist eine Geldstrafe für die AFA. Bereits am Vormittag hatte Sportschau berichtet, dass Kyle seine Forderung nach einer FIFA-Untersuchung im britischen Fernsehen wiederholte - ein diplomatischer Ton, der den Vorfall weit über die neunzig Minuten von Atlanta hinaus verlängert.