Argentiniens Präsident Javier Milei wird das WM-Finale seiner Mannschaft am Sonntag nicht im Stadion verfolgen. „Nein, auf keinen Fall“, antwortete Milei dem uruguayischen Radiosender El Observador auf die Frage, ob er nach East Rutherford reisen werde. Der Präsident bleibt aus Aberglauben in Buenos Aires und will das Endspiel gegen Europameister Spanien wie alle bisherigen WM-Auftritte der Selección von seinem Amtssitz Quinta de Olivos aus verfolgen.
Grund ist ein persönliches Glücksritual, das Milei seit dem Turnier begleitet. Bei jedem argentinischen Spiel trägt er dieselbe dicke Jacke des staatlichen Ölkonzerns YPF. Als er sie beim Viertelfinale gegen die Schweiz (3:1 nach Verlängerung) kurz auszog, kassierte Argentinien prompt den Anschlusstreffer. „Ich zog sie aus und wir kassierten ein Tor. Ich zog sie wieder an und habe sie seitdem nicht mehr ausgezogen“, zitiert t-online den Präsidenten. Die Sport1-Version des Interviews ergänzt: „Da es kalt war und ich die Heizung nicht einschaltete, zog ich die Jacke an. Sie hat mich richtig warm gehalten.“ Seither ist die Cábala - so nennen Argentinier ihre Glückspraktiken - in Kraft.
Nein, auf keinen Fall.
Damit fehlt Argentiniens Staatschef ausgerechnet, wenn die Tribüne des MetLife Stadiums am Sonntag prominent besetzt ist. US-Präsident Donald Trump hat seinen Besuch mit First Lady Melania und Pressesekretärin Karoline Leavitt bereits am Mittwoch bestätigt, wie wir gestern berichteten. Aus Spanien reisen König Felipe VI. mit der Königsfamilie sowie Ministerpräsident Pedro Sánchez nach New Jersey, meldet die Sportschau. Argentinien wird von Regierungsseite dagegen nicht sichtbar vertreten sein.
Milei kündigte zudem an, einer möglichen Siegesfeier vor der Casa Rosada bewusst fernzubleiben. „An diesem Tag räume ich ihn komplett. Ich habe auf diesem Foto nichts zu suchen“, sagte er im selben Interview über das Bild auf dem Regierungsbalkon, das nach einem Titel den Präsidenten neben den Spielern zeigen würde. Die Ansage ist bemerkenswert: Erst am 12. Juli hatte Milei zum argentinischen Unabhängigkeitstag genau dort gestanden - gemeinsam mit Schwester Karina Milei und Sicherheitsministerin Patricia Bullrich.
Zurückhaltung nach einer politisch schwierigen Woche
Der Verzicht fällt in eine ohnehin angespannte Woche. Nach dem 2:1 gegen England im Halbfinale hatten Argentiniens Spieler ein Transparent mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ gezeigt und damit ein FIFA-Verfahren ausgelöst. Milei hatte den Vorfall gegenüber Radio Mitre als „nur ein Fußballspiel“ eingeordnet und sich damit deutlich moderater positioniert als seine Vizepräsidentin Victoria Villarruel. Am Donnerstag entschied die FIFA-Disziplinarkommission, den Weltmeister nicht zu sperren - das Verfahren geht ohne Turnierfolgen weiter, wie unsere Redaktion am Vormittag berichtete.
Anpfiff ist am Sonntag um 21 Uhr MESZ, live im ZDF und bei MagentaTV. Argentinien tritt als Titelverteidiger von 2022 an, Spanien als amtierender Europameister. Für Milei entscheidet sich in den knapp zwei Stunden danach eine ganz eigene Frage: ob die YPF-Jacke einen zweiten WM-Titel liefert - und ob der Präsident bei seiner Ankündigung bleibt, im Fall des Sieges den Balkon leer zu lassen.