Am 26. Mai wäre Miles Davis hundert Jahre alt geworden. Geboren 1926 in Alton, Illinois, gestorben im September 1991 in Santa Monica, prägte der Trompeter und Bandleader die Geschichte des Jazz wie kaum ein zweiter Musiker. Zum runden Jubiläum häufen sich Konzerte, Wiederveröffentlichungen und Würdigungen, in Deutschland wie in den USA.

Die Elbphilharmonie Hamburg widmet Davis eine fünfteilige Reihe unter dem Titel „Miles 100“, die laut Programmankündigung am 3. Mai begann und am 9. Juli schließt. Den Auftakt machte der Trompeter Ambrose Akinmusire mit dem Brussels Jazz Orchestra, am 5. Mai legte Schlagzeuger Bobby Previte eine Neulesung von „Bitches Brew“ vor, am 6. Mai spielte die NDR Bigband „Sketches of Spain“ nach den Originalarrangements von Gil Evans. Bassist Marcus Miller, langjähriger Weggefährte des späten Davis, beschließt die Serie.

Auch das Konzerthaus Dortmund würdigt das Jubiläum. Am gestrigen Abend spielte die hr-Bigband unter Leitung von Miho Hazama mit den Solisten Arve Henriksen, Paolo Fresu und Axel Schlosser die drei orchestralen Davis-Evans-Alben „Miles Ahead“, „Porgy and Bess“ und „Sketches of Spain“ am Stück. Das Haus bezeichnet die Werke in seiner Programmankündigung als „Meilensteine“, die die Welt des Jazz „revolutioniert“ hätten.

Kaum ein anderer Jazzmusiker hat in so vielen unterschiedlichen Stilrichtungen Maßstäbe gesetzt wie Davis.
- Frank Wittmer, Musikwissenschaftler an der Uni Mainz, in TV Mittelrhein

Vom Bebop zur Fusion

Der Mainzer Musikwissenschaftler Frank Wittmer nennt Davis im Gespräch mit TV Mittelrhein eine „Schlüsselfigur der Jazzgeschichte“ und einen „prägenden Pionier der modernen Popmusik“. Davis war 1944 von East St. Louis nach New York gegangen, spielte an der 52. Straße mit Dizzy Gillespie und Charlie Parker und löste sich schon 1949 vom Bebop. Die Aufnahmen, die später als „Birth of the Cool“ erschienen, entstanden mit dem Arrangeur Gil Evans und definierten den Cool Jazz.

Es folgten der modale Stil von „Kind of Blue“ 1959 - bis heute eines der meistverkauften Jazzalben überhaupt - und 1969 mit „Bitches Brew“ der Übergang in den Jazzrock. Maik Rudolph schreibt in der Tageszeitung junge Welt zum 100. Geburtstag, das Album habe sich nach drei Studiotagen schon eine halbe Million Mal verkauft. In den späten Siebzigern verschwand Davis nach einem Autounfall und einer Hüftoperation für fünf Jahre von der Bühne, kehrte 1981 zurück und arbeitete bis kurz vor seinem Tod mit Pop- und Funkmusikern zusammen, zuletzt mit Marcus Miller am Album „Tutu“.

Wiederveröffentlichungen zum Jubiläum

Parallel zu den Konzerten kommen die Aufnahmen zurück in den Handel. Decca France hat im April „Michel Legrand meets Miles Davis“ auf 140-Gramm-Vinyl neu aufgelegt, die ursprüngliche Session stammt vom 25. Juni 1958. Im US-Geburtsort Alton in Illinois richtete eine örtliche Stiftung am 22. und 23. Mai ein zweitägiges Jazzfestival aus. Die Tributveranstaltungen verteilen sich über das ganze Jahr - das Jubiläum ist weniger ein einzelner Tag als eine Saison.