Ratko Mladić soll in Serbien mit militärischen und staatlichen Ehren beigesetzt werden. Der serbische Justizminister Nenad Vujić kündigte das nach Berichten mehrerer Balkan-Medien im Sender K1 an. „General Mladić ist ein General, und das Protokoll ist bekannt“, sagte Vujić laut watson.ch; die Regierung werde respektieren, was dem früheren Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Armee „zusteht“. Wie wir am Donnerstag berichteten, war der wegen Völkermords und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft verurteilte 84-Jährige am 27. August in einem Haftkrankenhaus in Den Haag gestorben.

Als Ort der Beisetzung gilt der Belgrader Friedhof Topčider als sicher. Dort soll Mladić neben seiner Tochter Ana bestattet werden, die sich 1994 im Alter von 23 Jahren das Leben genommen hatte. Ein Datum steht noch nicht fest. Präsident Aleksandar Vučić sagte laut Balkan Insight zu, Belgrad werde die Überführung des Leichnams aus Den Haag organisieren und dazu eine Sondermaschine bereitstellen.

Empörung in Sarajevo

In Bosnien und Herzegowina stieß die Ankündigung auf scharfen Protest. Die pro-europäische Partei Red Lines warnte laut Balkan Insight, ein staatlich organisiertes Begräbnis mit militärischen Ehren würde „den Charakter der Aggression gegen Bosnien und Herzegowina“ bestätigen. Emir Suljagić, Direktor der Gedenkstätte Srebrenica-Potočari, sagte gegenüber der taz, der Tod Mladićs verändere weder die Urteile der internationalen Gerichte noch die historische Aktenlage - „und die Massengräber sind noch da“. Suljagić hatte bereits am Vortag gemahnt, mit dem Ableben des Verurteilten drohe „die Erinnerung an seine Verantwortung“ verdrängt zu werden.

Ein staatlich organisiertes Begräbnis mit militärischen Ehren würde den Charakter der Aggression gegen Bosnien und Herzegowina bestätigen.
- Partei Red Lines, Sarajevo, gegenüber Balkan Insight

Rechtlich möglich wird die Zeremonie, weil Mladić trotz der Verurteilung in Den Haag nie formell degradiert wurde. Unter serbischem Militärrecht behalten pensionierte Offiziere ihren Rang als lebenslangen Ehrentitel, mit Anspruch auf militärische Ehren. Bereits nach dem Tod des ebenfalls wegen Kriegsverbrechen verurteilten Generals Nebojša Pavković hatte Belgrad diese Regelung angewandt. Die Belgrader Menschenrechtsorganisation Humanitarian Law Center kritisierte laut European Western Balkans, dass Mladićs Beibehaltung des Generalsrangs gegen das Gesetz über die serbischen Streitkräfte verstoße.

Politisch fügt sich die Ankündigung in eine seit Jahren fortgeschriebene Erzählung. Die Regierung Vučić bestreitet weiterhin, dass in Srebrenica ein Völkermord stattgefunden hat, und spricht stattdessen von einem „Kriegsverbrechen“. Der frühere Präsident der bosnisch-serbischen Teilrepublik, Milorad Dodik, würdigte Mladić als „große Persönlichkeit für das serbische Volk“. Für die Angehörigen der mehr als 8.000 in Srebrenica ermordeten muslimischen Männer und Jungen ist die geplante Beisetzung ein weiterer Bruch mit dem Urteil des UN-Tribunals, das Mladić 2017 zu lebenslanger Haft verurteilt und 2021 in letzter Instanz bestätigt hatte.