Der Vorstoß und die Absage standen am Donnerstag im gleichen Blatt. In einem Bild-Interview kündigte Dieter Bohlen an, Modern Talking mit Thomas Anders wieder aufleben lassen zu wollen - inklusive Musical, Dokumentation und einer Reihe von Konzerten. Anders antwortete auf denselben Seiten: „Für mich steht ein Comeback mit Modern Talking nicht zur Diskussion.“ Damit ist die Debatte um eine Rückkehr des erfolgreichsten deutschen Pop-Exports fürs Erste beendet, bevor sie richtig anfing.
Bohlen, 72, sprach gegenüber der Bild von einem internationalen Konzertveranstalter, der ihm zehn Auftritte angeboten habe, dazu von Vorschlägen für eine Dokumentation und ein Musical über die Band. Er selbst sei bereit: „Meine Hand ist ausgestreckt.“ Den jahrelangen Streit mit seinem einstigen Partner nannte er im gleichen Interview „Kinderkacke“. „Nicht ich allein bin Modern Talking“, stellte Bohlen klar. „Wir beide sind Modern Talking.“
Anders, 63, ließ nicht lange auf sich warten. Der Sänger, der seit Jahren als Solokünstler unterwegs ist, verwies auf die eigene Karriere. „Ich finde, die Geschichte von Modern Talking ist bis heute einzigartig“, teilte Anders der Bild mit, er sei „glücklich und stolz, dass ich mir nach unserer Trennung vor 23 Jahren meine eigene Karriere erfolgreich aufgebaut habe“. Und weiter: „Mein Blick richtet sich nach vorne mit vielen neuen Ideen.“
Zu diesen Ideen gehört eine eigene Tournee. Seit dem Frühjahr spielt Anders die Solo-Reihe „Thomas Anders sings Modern Talking“ durch Deutschland und Österreich; das Programm feiert das 40-jährige Bandjubiläum und lehnt sich musikalisch an die alten Hits an. Herzstück ist eine Video-Wand, auf der ein KI-generierter junger Anders im Duett mit dem heutigen singt. Weitere Termine stehen in den kommenden Monaten unter anderem in Bad Nenndorf, Thale und Jena an. Auf einen Bohlen an seiner Seite ist Anders in dieser Form seit Jahren nicht mehr angewiesen.
Die Rollen sind damit umgekehrt: Es ist der Produzent, der um die Rückkehr wirbt, und der Sänger, der den Katalog längst allein bespielt. Modern Talking hatten sich Ende der 1980er Jahre erstmals getrennt, kehrten 1998 überraschend zurück und lösten sich 2003 endgültig auf. Bis dahin verkaufte das Duo weltweit rund 120 Millionen Tonträger, allein in Deutschland mehr als 5,7 Millionen. Ein zweites Wiedersehen wäre kommerziell zweifelsohne lukrativ - vorausgesetzt, beide sagen ja. Vorerst sagt nur einer.