Die deutsche Zoologin Lydia Möcklinghoff ist tot. Die 45-Jährige starb am Freitagmorgen beim Absturz einer zweimotorigen Kleinmaschine nahe der brasilianischen Millionenstadt Campo Grande. Möcklinghoff war weltweit als führende Ameisenbär-Forscherin und in Deutschland vor allem durch ihre Beiträge für die „Sendung mit der Maus“ bekannt geworden.
Die Maschine vom Typ Embraer/Neiva EMB-810D „Seneca“ war laut Berichten von t-online und dem Schweizer Portal „20 Minuten“ gegen 6:30 Uhr Ortszeit vom Privatflugplatz Santa Maria bei Campo Grande in Richtung Aquidauana im Pantanal gestartet. Etwa fünf Minuten nach dem Start stürzte das Flugzeug ab. Flughafenmitarbeiter berichteten von einer Explosion. Bei dem Absturz kam auch der 42-jährige Pilot ums Leben. Am Flugplatz herrschten zum Zeitpunkt des Unglücks dichter Nebel und schlechte Sichtverhältnisse; die brasilianische Luftfahrtbehörde Cenipa hat Ermittlungen zur Unglücksursache aufgenommen.
Möcklinghoff, geboren am 3. Februar 1981 in Wilhelmshaven, hatte in Gießen Biologie und in Würzburg Tropenökologie und Verhaltensbiologie studiert. 2011 promovierte sie am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn mit einer Arbeit über den Einfluss natürlicher und anthropogener Habitatveränderungen auf die Ökologie des Großen Ameisenbären im südlichen Pantanal. Damit war sie nach eigener Darstellung und der ihrer Kooperationspartner die erste Wissenschaftlerin, die das Sozialverhalten der bedrohten Tiere systematisch über mehrere Jahre im Freiland dokumentierte.
Seit 2009 lebte Möcklinghoff abwechselnd in Köln und im brasilianischen Pantanal. Neben ihrer Forschung arbeitete sie als freie Autorin für den WDR, veröffentlichte die Bücher „Ich glaub mein Puma pfeift!“ (2015) und „Die Supernasen“ (2016) und produzierte auf WDR 5 die MausLive-Reihe „Lydia im Pantanal“, die seit 2022 in vier Staffeln erschien. Für den gemeinsam mit dem Zoologen Mario Ludwig gestalteten Podcast „tierisch!“ erhielt sie 2024 den Fast Forward Science Award in der Kategorie „Bestes Debüt Audio“.
Trauer im Zoo Dortmund
Der Zoo Dortmund, langjähriger Partner ihrer Feldforschung, teilte den Tod am Samstag über Instagram mit. Man habe die Nachricht „mit großer Bestürzung“ aufgenommen. „Lydia war für uns weit mehr als eine geschätzte Forschungspartnerin“, hieß es in der Mitteilung des Zoos, die t-online zitiert. Über viele Jahre hinweg habe man ihre wissenschaftliche Arbeit an Großen Ameisenbären in Brasilien unterstützt; ihre Erkenntnisse hätten die Haltung der Tiere in Dortmund direkt beeinflusst.
Wir verlieren nicht nur eine herausragende Wissenschaftlerin, sondern vor allem einen warmherzigen, lebensfrohen und außergewöhnlich engagierten Menschen.
Auf Möcklinghoffs offiziellem Instagram-Kanal veröffentlichte ihr Team am Wochenende einen Abschiedspost: „Danke für deine endlose Neugier und Freundlichkeit. Du wirst uns sehr fehlen.“ Die WDR-Redaktion der „Sendung mit der Maus“, für die Möcklinghoff seit Jahren als „Maus-Forscherin“ aus dem Pantanal berichtet hatte, äußerte sich zunächst nicht öffentlich. Ihre Radioarbeit und die begleitenden Video-Tagebücher hatten der Ökologie eines der weltweit größten tropischen Feuchtgebiete ein breites Publikum in Deutschland erschlossen.