Das Moesgaard-Museum bei Aarhus hat am 9. Oktober eine Sonderausstellung eröffnet, die als Weltpremiere angekündigt ist. In „Maya - Das Reich unter dem Dschungel“ sind Jademasken aus den Gräbern mächtiger Maya-Herrscher zu sehen, die bislang nicht einmal in Mexiko öffentlich gezeigt wurden. Die Leihgaben stammen vom mexikanischen Nationalinstitut für Anthropologie und Geschichte (INAH), die Schau läuft bis zum 8. August 2027.
Im Zentrum steht die sogenannte Schlangendynastie aus Calakmul, dem mächtigsten Herrschaftssitz der klassischen Maya-Zeit zwischen 250 und 900 nach Christus. Eine der Masken gehörte Yuknom Ch'en I., dem Gründer der Dynastie, der von 402 bis 455 regierte, berichtet der dänische Rundfunk DR. Eine weitere stammt aus dem Grab eines Herrschers, der zwischen 571 und 595 die Macht hielt. Insgesamt umfasst die Schau mehr als 200 Objekte - darunter Hieroglyphen, Alltagsgegenstände und Rekonstruktionen von Tempelpyramiden.
Für Moesgaard ist die Ausstellung ein Meilenstein, weil wir zum ersten Mal eine der großen Zivilisationsgeschichten der amerikanischen Welt erzählen.
Jade wertvoller als Gold
Die Masken sind mehr als Grabbeigaben. Sie wurden als Mosaik aus grünen Steinen auf den Gesichtern verstorbener Herrscher zusammengesetzt. Jade galt den Maya als wertvoller als Gold, der Stein sollte den Toten ewiges Leben an der Seite der Götter sichern. Kurator Mads Ravn sagte gegenüber DR, die Maya-Kultur habe sich „weit stärker entwickelt, als wir in Europa zur selben Zeit“.
Herkunft aus drei Ländern
Die Objekte kommen aus mehreren Sammlungen. Neben Häusern in Mexiko-Stadt haben auch Museen in Kopenhagen und im schweizerischen Schaffhausen Leihgaben beigesteuert, wie das Tourismusportal Visit Aarhus mitteilt. Fachlich begleitet wird die Schau vom Maya-Forscher Jesper Nielsen von der Universität Kopenhagen. Für das INAH ist es die erste Reise dieser Masken außerhalb Mexikos - mehrere Objekte verlassen damit zum ersten Mal überhaupt eine Vitrine.
Der Zeitpunkt der Schau fällt in eine Phase, in der die Maya-Archäologie international im Rampenlicht steht. Im Sommer hatte ein mexikanisch-slowenisches Team unter Leitung des Archäologen Ivan Šprajc im Biosphärenreservat Calakmul die bislang unberührte Stadt Minanbé entdeckt, einen 15-Hektar-Komplex mit einem 13 Meter hohen Pyramidentempel. ZDFinfo wiederholt parallel die Dokureihe „Die Machtzentren der Maya“ über Teotihuacán, Tikal und Chichén Itzá. Besucher in Aarhus sehen nun die Grabbeigaben, zu denen diese Städte die Herrscher trugen.