Der moldauische Ministerpräsident Alexandru Munteanu ist am Freitag überraschend zurückgetreten. Acht Monate nach seinem Amtsantritt erklärte der 61-Jährige seinen Rückzug in einer Mitteilung in den sozialen Medien, wie unter anderem ORF, Handelsblatt und Watson berichten. Mit ihm muss die gesamte Regierung der proeuropäischen Partei Aktion und Solidarität (PAS) abtreten.

Munteanu begründete den Schritt nur knapp. „In dem Moment, als mir klar wurde, dass ich mein Mandat nicht mehr in Übereinstimmung mit meinen Prinzipien und Überzeugungen ausüben kann, habe ich mich für den Rücktritt entschieden“, zitiert das Handelsblatt aus seiner Erklärung. Weitere Details nannte er nicht.

In dem Moment, als mir klar wurde, dass ich mein Mandat nicht mehr in Übereinstimmung mit meinen Prinzipien und Überzeugungen ausüben kann, habe ich mich für den Rücktritt entschieden.
- Alexandru Munteanu, in seiner Rücktrittserklärung, laut Handelsblatt

Der Rücktritt fällt in eine schwere Vertrauenskrise der PAS. Auslöser ist eine Korruptionsaffäre um die staatliche Flugsicherungsbehörde MoldATSA. Das Investigativportal „Ziarul de Garda“ hatte im Juni offengelegt, dass der Lebenslauf des entlassenen MoldATSA-Chefs Dumitru Vangheli in weiten Teilen erfunden war. Zusätzlich geriet Staatspräsidentin Maia Sandu unter Nepotismusverdacht, nachdem bekannt wurde, dass ihre Cousine Anastasia Taburceanu als Sprecherin der Behörde ein Gehalt von über 6.000 Euro monatlich bezog. Taburceanu trat inzwischen zurück.

Sandu widerspricht Deutung, PAS verliert Kanzler-Vorbild

Präsidentin Sandu wies die Interpretation zurück, Munteanu sei gegangen, weil er nicht gegen Missstände habe vorgehen dürfen. Der Regierungschef habe „freie Hand“ gehabt, die Regierung nach seinen Vorstellungen zu führen, erklärte sie laut ORF. Munteanu bleibe bis zur Ernennung eines Nachfolgers geschäftsführend im Amt. In der kommenden Woche wolle sie Gespräche mit den Fraktionen im Parlament aufnehmen, um zügig einen neuen Kandidaten zu benennen.

Munteanu, der erst im November 2025 zum Ministerpräsidenten ernannt worden war, galt als Garant für den EU-Beitrittskurs der Republik Moldau. Die PAS hatte im September 2025 mit deutlicher Mehrheit die Parlamentswahl gegen die prorussische Opposition gewonnen und daraus ein klares EU-Mandat abgeleitet. Sein Rückzug droht nun, die Spannungen zwischen dem proeuropäischen Lager um Sandu und den prorussischen Kräften im zwischen Ukraine und Rumänien gelegenen Land weiter zu verschärfen.

Die Schilderung der Umstände deckt sich in den deutschsprachigen Berichten weitgehend. Handelsblatt, ORF und Watson berichten übereinstimmend von einer kurzen schriftlichen Erklärung ohne detaillierte Begründung. Wer Munteanu nachfolgen könnte, blieb am Freitag offen.