Monika Peitsch gehört zu den Gesichtern, die das bundesdeutsche Fernsehen über Jahrzehnte geprägt haben. Am Freitagabend saß die 89-jährige Schauspielerin in der „NDR Talk Show“ - in einer Ausgabe, die ohne Barbara Schöneberger auskam. Die Moderatorin war für die Berichterstattung zum Eurovision Song Contest abgestellt; an ihrer Stelle führte Jessy Wellmer gemeinsam mit Hubertus Meyer-Burckhardt durch den Abend, wie unter anderem die Abendzeitung München berichtete. Peitsch blickte auf ein langes Berufsleben zurück und sprach über ihre späte Heirat und ihre bis heute nicht gelöste Bindung an Hamburg.
„Ich habe noch mindestens drei Koffer in Hamburg“, wird Peitsch in der Programmankündigung zitiert, wie t-online vorab meldete. Rund 25 Jahre lebte sie in der Stadt, bevor sie 2002 nach München zog. Was sie über die Koffer hinaus mit Hamburg verbindet, war einer der roten Fäden ihres Auftritts.
Sechs Jahrzehnte vor der Kamera
Geboren am 23. Dezember 1936 in Zeitz und aufgewachsen in Berlin, kam Peitsch über eine Ausbildung als zahnmedizinische Assistentin zur Schauspielerei. 1960 holte Boleslaw Barlog sie an das Berliner Schillertheater, wo sie bis 1965 zum Ensemble gehörte. Den Durchbruch im Fernsehen brachte 1963 das Fernsehspiel „Kleider machen Leute“; breite Bekanntheit folgte ab 1965 mit der Familienserie „Die Unverbesserlichen“, in der sie an der Seite von Inge Meysel deren Tochter spielte. Es folgten die Krimireihe „Okay S.I.R.“ von 1973 bis 1974 und von 1987 bis 1990 eine durchgehende Rolle in „Das Erbe der Guldenburgs“.
Neben der Arbeit vor der Kamera war Peitsch eine gefragte Synchronsprecherin: Sie lieh ihre Stimme unter anderem Audrey Hepburn, Doris Day und Claudia Cardinale. 2015 erklärte sie ihren Rückzug von der Schauspielerei.
Die Hochzeit mit 80
Öffentliche Aufmerksamkeit erhielt zuletzt vor allem ihre Heirat. 2017, im Alter von 80 Jahren, heiratete Peitsch den Architekten Sven Hansen-Höchstädt, mit dem sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit Ende der 1970er Jahre zusammen war. Der Abendzeitung München sagte sie damals, sie sei eigentlich längst in einem Alter, in dem man das nicht mehr müsse - geheiratet hätten beide trotzdem, im engsten Familienkreis.
Wir wollten immer schon heiraten und waren uns auch sicher, dass es eines Tages passieren wird. Wir hatten einfach keine Zeit.
Den Anstoß gab nach ihrer Darstellung ihr Sohn Philipp, der auch die Hochzeit organisierte. „Und alles, was mein Sohn sagt, mache ich. Und auch gerne. Mein Sohn ist toll“, sagte Peitsch. Ihr Sohn habe die Rolle übernommen, die sonst der Vater ausfülle: „Normalerweise machen das Väter. Dein Vater ist tot. Also mache ich es“, gab sie ihn wieder.
Der Auftritt in der „NDR Talk Show“ reiht sich in ein anhaltendes Publikumsinteresse an den Stars des klassischen deutschen Fernsehens ein. Für Peitsch, die seit einem Jahrzehnt nicht mehr vor der Kamera steht, war es vor allem eine Rückschau - und ein Wiedersehen mit der Stadt, in der nach eigener Auskunft noch immer ihre Koffer stehen.