Netflix hat mit der vierten Staffel seiner Anthologieserie „Monster“ den nächsten Streaming-Hit gelandet. „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“ ist seit dem 17. September mit allen acht Folgen abrufbar. Innerhalb der ersten drei Tage sammelte die Serie laut Tom's Guide weltweit 12,2 Millionen Aufrufe und eroberte in elf Ländern Platz eins der Netflix-Charts. Es ist das erste Mal, dass die Reihe von Ryan Murphy und Ian Brennan eine mutmaßliche Täterin in den Mittelpunkt stellt.
Die Serie erzählt den Doppelmord vom 4. August 1892 im US-Bundesstaat Massachusetts: In Fall River wurden der wohlhabende Andrew Borden und seine zweite Frau Abby mit einem Beil erschlagen. Angeklagt und 1893 freigesprochen wurde Andrews Tochter Lizzie Borden - der Fall gilt bis heute offiziell als ungeklärt. Ella Beatty (26) spielt die Titelrolle, Charlie Hunnam den despotischen Vater Andrew, Rebecca Hall die Stiefmutter Abby. Vicky Krieps ist als Hausmädchen Bridget Sullivan zu sehen, Billie Lourd als Schwester Emma, Sarah Paulson taucht in der Nebenerzählung als Serienmörderin Aileen Wuornos auf.
Zwischen queerer Neulesart und Melodram
Autor Ian Brennan legt einen Schwerpunkt auf Klassen- und Geschlechterrollen im viktorianischen Amerika sowie auf die von Historikerinnen zunehmend queer gelesene Beziehung Bordens zur Schauspielerin Nance O'Neil. In der Netflix-Adaption wird bereits Bridget Sullivan als Liebesbeziehung Lizzies angelegt. Die deutschsprachige Kritik reagiert gespalten. Film-Rezensionen.de bemängelt einen zunehmend „bizarren“ Ton, bei dem unklar sei, „ob das ernst oder komödiantisch gemeint ist“; die Wuornos-Nebenhandlung sei „völlig jenseits von Gut und Böse“. Auf kino-zeit.de kommen die ersten Nutzerbewertungen bei einem von fünf Sternen an.
Ob das ernst oder komödiantisch gemeint ist, bleibt an dieser Stelle völlig unklar.
Wohlwollender liest sich das Fachurteil aus den USA: Variety spricht von der bislang „engagiertesten“ Staffel des Formats und wertet die Rückkehr zur Anthologie-Idee als „outrageously engaging“. Kritischer sieht es die britische NME, die Netflix „maniacal melodrama“ attestiert. Historisch getreu ist die Serie kaum: Kommentatoren wiesen darauf hin, dass abgesehen von den Namen der Beteiligten und der Tatwaffe kaum ein Detail den überlieferten Fakten des Falls entspricht.
Regie führte Sarah Adina Smith, das Drehbuch schrieben Murphy und Brennan gemeinsam. „Monster“ hatte 2022 mit der Jeffrey-Dahmer-Staffel begonnen und 2024 mit den Menendez-Brüdern sowie 2025 mit Ed Gein weitergemacht. Die fünfte Staffel ist bereits bestätigt. Für Netflix Deutschland dürfte der Start gut in eine Herbstprogrammierung passen, in der True-Crime-Stoffe wie „Monster“ traditionell stark performen - und in eine Woche, in der ohnehin schon ARD- und ZDF-Krimis um Aufmerksamkeit rangeln.