Die vierte Staffel von Netflix' True-Crime-Anthologie „Monster" steht seit dem 17. September weltweit im Katalog - und hat in der ersten Woche 12,1 Millionen Aufrufe beziehungsweise 80,1 Millionen Streaming-Stunden gesammelt. Damit reihte sich „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden" auf Platz eins der globalen Netflix-Wochencharts ein, die dritte Staffel der Reihe in Folge, die das schafft. In Deutschland läuft die von Ian Brennan geschriebene und von Ryan Murphy produzierte Serie unter dem deutschen Titel, mit acht Episoden über den Doppelmord an Andrew und Abby Borden in Fall River, Massachusetts, im Sommer 1892.

Ella Beatty spielt die Titelrolle, an ihrer Seite stehen Charlie Hunnam als Vater Andrew, Rebecca Hall als Stiefmutter Abby und Vicky Krieps als das irische Hausmädchen Bridget Sullivan. Sarah Paulson taucht in einer parallelen Handlungslinie als Serienmörderin Aileen Wuornos auf - ein dramaturgischer Kunstgriff, den fast alle deutschen Rezensionen als überstrapaziert kritisieren, den Auftritt der Schauspielerin selbst aber als unbestrittenes Zentrum der Staffel loben. Filmpluskritik.com etwa vergibt der Staffel eine 5 von 10 und wirft ihr vor, sie sei über acht Episoden „unnötig aufgebläht", vier bis sechs hätten genügt.

Manches ist spekulativ, anderes völlig an den Haaren herbeigezogen, wenn nicht mehr klar ist, was gerade wirklich geschieht.
- Oliver Armknecht, film-rezensionen.de

Die deutsche Kritik entzündet sich vor allem an der Freihandbehandlung des historischen Stoffs. Der reale Fall - Andrew und Abby Borden wurden am 4. August 1892 mit einer Axt erschlagen, Tochter Lizzie kam trotz erdrückender Indizien vor Gericht frei - ist im angelsächsischen Raum ein popkulturelles Fixum, in Deutschland dagegen weitgehend unbekannt. Rezensent Oliver Armknecht spricht in seinem Text auf film-rezensionen.de von einer „bizarren Entgleisung", bei der man „nicht mehr sagen kann, ob das ernst gemeint oder doch komisch sein soll". Die Wuornos-Nebenhandlung sei „komplett jenseits von gut und böse".

Feminismus-Debatte auf Social Media

Parallel zur Kritik läuft in deutschsprachigen Foren eine Debatte darüber, wie die Serie ihre Hauptfigur zeichnet. Manche Zuschauer werfen Murphy und Brennan Sexismus vor, weil sie Lizzie sexuell aufladen und ihr eine erfundene Liebesbeziehung zum Hausmädchen andichten. Andere argumentieren umgekehrt, gerade diese Zeichnung sei feministisch, weil sie einer historisch verstummten Frau erstmals eine eigene Perspektive gebe. Das Portal watson.de fasste die Debatte in einem Meinungsstück unter dem Titel „Von wegen sexistisch" zusammen und verteidigt die Serie als feministischen Neuansatz.

Nachschub im Genre kommt am Sonntagabend: Der britische Sender Crime+Investigation zeigt am 27. September die 90-minütige Dokumentation „Lizzie Borden: 40 Whacks" der Hearst-Tochter Spirit Studios, die parallel zur Netflix-Serie entstand. Netflix selbst hat bereits die fünfte Staffel von „Monster" bestätigt. Der plötzliche Wikipedia-Spike zur historischen Lizzie Borden im deutschsprachigen Raum, der die Figur diese Woche in die Trendcharts von trendingdeutschland gebracht hat, dürfte damit noch eine Weile anhalten.