Netflix hat mit „Monster: Die Geschichte von Lizzie Borden“ seit dem 17. September einen Streaming-Hit im Programm - und zugleich einen Aufreger. Bereits nach 48 Stunden erklomm die vierte Staffel der True-Crime-Anthologie von Ian Brennan Platz eins der internationalen Netflix-Serien-Charts, im Erhebungszeitraum vom 14. bis 20. September verzeichnete der Streamingdienst laut Netflix Tudum 80,1 Millionen abgerufene Stunden. In der deutschsprachigen Kritik allerdings ist die Reaktion eine ganz andere.
Erzählt wird der Prozess um die 32-jährige Lizzie Borden aus Fall River, Massachusetts, die 1892 mit einer Axt ihren Vater und ihre Stiefmutter erschlagen haben soll und am Ende freigesprochen wurde. Die Titelrolle spielt Ella Beatty; Vicky Krieps, Charlie Hunnam, Rebecca Hall und Sarah Paulson stehen als Ensemble daneben. Paulson übernimmt in einem parallel erzählten Strang die Rolle der Serienmörderin Aileen Wuornos, die sich hundert Jahre später in Bordens ehemaligem Wohnhaus einquartiert.
Zwischen Netflix-Rekord und Kritikerverriss
Film-rezensionen.de nennt die Serie „sprunghaft“ in der Tonalität und wirft Showrunner Brennan vor, „viel drumherum“ zu erfinden und Szenen zu präsentieren, die „völlig an den Haaren herbeigezogen“ seien. Auf Rotten Tomatoes steht der Kritikerscore bei 42 Prozent, das Publikum vergibt 35 Prozent. Filmpluskritik zieht ein 5-von-10-Fazit und begründet: „Der Fokus auf die Oberflächen geht auf Kosten der erzählerischen und intellektuellen Tiefe.“ Auch die achte Episode gelte als „entbehrlich“.
Einig sind sich Kritik und Publikum an einer Stelle: Sarah Paulsons Auftritt als Aileen Wuornos wird auf sozialen Plattformen gefeiert. Auf Moviepilot zitierte Fanreaktionen bringen es auf den Punkt: „Wie gut war bitte Sarah Paulson? Sie wird dafür alle Emmys gewinnen.“ Zugleich bemängeln dieselben Zuschauerinnen und Zuschauer historische Ungenauigkeiten - von der Alterslücke zwischen Rolle und Darstellerin bis hin zu frei erfundenen romantischen Nebenfiguren, die im echten Fall Borden nicht auftauchten.
Wie gut war bitte Sarah Paulson? Sie wird dafür alle Emmys gewinnen.
Für Netflix ist der Streit um die Serie geschäftlich vor allem Rückenwind. Nach „Dahmer“ (2022) und der Menendez-Staffel setzt der Konzern die Monster-Reihe demonstrativ fort - eine fünfte Season um Ed Gein ist laut US-Fachpresse bereits angekündigt. In Deutschland spiegelt der Trend die anhaltende Nachfrage nach True-Crime-Formaten wider, die schon die Podcast-Landschaft der vergangenen Jahre geprägt haben. Ob Kritik und Kontroverse dem Streaming-Rekord ernsthaft schaden können, dürfte sich in den kommenden Wochen an den Verweildauer-Zahlen ablesen lassen.