Am Mittwochabend hat das ZDF die ersten beiden Folgen von „München Beats“ ausgestrahlt, einer vierteiligen Miniserie über die Techno-Jahre der bayerischen Landeshauptstadt. Die Handlung setzt 1995 ein, in dem Moment, in dem die Pfanni-Werke ihr Areal am Münchner Ostbahnhof aufgeben. Auf dem 90.000 Quadratmeter großen Gelände entsteht kurz darauf der Kunstpark Ost, damals Europas größte Clublandschaft.
Im Zentrum steht die 19-jährige Linda Bierwirth aus Ismaning, gespielt von Jule Hermann, die den elterlichen Bauernhof gegen das Nachtleben tauscht und DJane werden will. Über Marius Meinhardt (Klaus Steinbacher), Sohn des Pfanni-Unternehmers Theo Meinhardt (Tobias Moretti), gerät sie in den Kreis, aus dem der Kunstpark hervorgeht. Regie führt Mimi Kezele, das Drehbuch stammt von Christian Schnalke, Stefani Straka und Julie Fellmann, produziert hat Network Movie FFP.
Die lineare Ausstrahlung ist auf zwei Abende verteilt: Am Mittwoch liefen die Folgen eins und zwei um 20.15 und 21.00 Uhr, an diesem Donnerstag folgen die Teile drei und vier. In der ZDF-Mediathek ist die komplette Serie bereits seit dem 7. August abrufbar.
Milieustudie oder Daily-Soap?
Die Kritik reagiert gespalten. Gunther Reinhardt attestiert in der „Rolling Stone“, die Serie nehme Techno und die Arbeit hinter den DJ-Pulten ernst - statt Klischees über Drogen und Sex aufzuwärmen. Zugleich sei der Vierteiler mit Familiendrama, Coming-Out-Geschichte und Pfanni-Historie überladen.
Weniger ist mehr - nicht nur beim Techno.
Härter fällt das Urteil im BR-Radiofeuilleton aus. Julian Ignatowitsch sieht in „München Beats“ eher eine Daily-Soap als eine ernsthafte Milieustudie, wie t-online.de aus München zusammenfasst. Regisseurin Mimi Kezele verteidigt ihren Ansatz gegenüber der „Abendzeitung München“: München sei in jenen Jahren ein Fenster zur Welt gewesen, der Kunstpark habe sich angefühlt wie eine Stadt in der Stadt.
Vom Kartoffelwerk zum Werksviertel
Die Serie greift auf reale Firmengeschichte zurück. Pfanni ist seit 1993 Tochter des Unilever-Konzerns; die Produktion verlagerte sich vom Münchner Osten nach Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Unternehmen bis heute Kartoffelfertigprodukte herstellt. Für die Dreharbeiten stellte Pfanni laut „Abendzeitung“ originale Firmenfahrzeuge und Arbeitskleidung als Requisiten zur Verfügung.
Auf dem Gelände hinter dem Ostbahnhof eröffnete der Nachtleben-Unternehmer Wolfgang Nöth 1996 den Kunstpark Ost, ein Konglomerat aus Clubs, Ateliers und Konzertsälen. 2003 löste ihn die Kultfabrik als Nachfolgestandort ab, die wiederum 2016 schloss und im Sommer 2017 weitgehend abgerissen wurde. Heute entsteht dort das Werksviertel-Mitte, ein Stadtquartier mit Wohnungen, Büros, geplantem Konzertsaal und einigen verbliebenen Clubs.
Für das ZDF ist der Vierteiler ein Versuch, deutsche Popkultur-Geschichte breit im Hauptprogramm zu erzählen. Ob das gelingt, wird sich am Donnerstagabend zeigen, wenn die Auflösungsfolgen laufen. Bis dahin bleibt die Bilanz das, was sie beim Auftakt war: viel Ambition, viele Erzählstränge und eine Stadt, die sich selbst wiedererkennen soll.