Das ZDF hat am Mittwoch und Donnerstagabend die vierteilige Miniserie „München Beats“ jeweils als Doppelfolge im linearen Programm gezeigt, um 20.15 Uhr. In der Mediathek stehen die vier Teile bereits seit dem 7. August. Erzählt wird eine fiktive Familiengeschichte vor dem realen Hintergrund des Kunstparks Ost, der 1996 auf dem Gelände der ehemaligen Pfanni-Werke am Münchner Ostbahnhof entstand und bis zur Umwandlung in das Werksviertel zu einem der wichtigsten Techno-Zentren Europas werden sollte.

Im Zentrum steht Linda, eine 19-jährige Zahnarzthelferin aus einer Kartoffelbauernfamilie im Umland, die ihren vorgezeichneten Weg verlässt, um in München DJane zu werden. Regie führte Mimi Kezele, die Bücher schrieben Stefani Straka und Julie Fellmann. Jule Hermann spielt Linda, Klaus Steinbacher ihren Freund Marius, Tobias Moretti verkörpert den Pfanni-Chef Theo Meinhardt. Als Gaststar tritt Ex-Oberbürgermeister Christian Ude auf, wie t-online berichtet. Produziert wurde die Serie von Network Movie, gedreht unter anderem in einer ehemaligen Pharmafabrik in Wolfratshausen, im heutigen Werksviertel und im traditionsreichen Lokal Deutsche Eiche.

Klub-Kultur nur als Kulisse

Die Rezensionen fallen gemischt aus. BR24-Kritiker Julian Ignatowitsch nannte „München Beats“ eher „eine Daily Soap als eine ernsthafte Milieustudie“. Ikonen der Szene wie Jeff Mills oder Carl Craig kämen nicht vor, die reale Community bleibe weitgehend unsichtbar. Auch das Fachmagazin Groove urteilte, die Serie enttäusche als Blick auf Münchens Technokultur, weil Subkultur, Queerness und Diversität kaum eine Rolle spielten. Die FAZ-Rezensentin Heike Hupertz notierte, das Format bleibe „ein konventionelles Unterhaltungsprodukt“, auch wenn es Freiheitsgefühl, Techno und queere Szenen der Neunziger streife.

Eine Daily Soap statt einer ernsthaften Milieustudie.
- Julian Ignatowitsch, BR24

Gegenlob kommt vom Rolling Stone: Autor Gunther Reinhardt hebt hervor, dass die Serie Techno und die Arbeit der DJs ernst nehme, statt sich in den gängigen Klischees von Drogen und Sex zu erschöpfen. Der Aufstieg vom Bauernhof zur DJ-Kanzel hätte, so Reinhardt sinngemäß, allein schon genügend Stoff hergegeben. Auch DWDL-Kritiker Jan Freitag bescheinigt der Produktion, sie sei „gehaltvoller als Kartoffelknödel aus Massenproduktion“ - reiche aber an Vergleichsmaßstäbe wie den Kinofilm „Beat“ oder „Berlin Calling“ nicht heran.

Erinnerung an einen verschwundenen Ort

Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer dürfte die Serie vor allem als visuelle Rekonstruktion eines verschwundenen Ortes funktionieren. Der Kunstpark Ost, aus dem später die Kultfabrik hervorging, wurde 2016 endgültig abgerissen. Heute stehen dort Hochhäuser, Bürogebäude und die neu gebaute Isarphilharmonie-Ausweichspielstätte des Konzertsaals-Provisoriums. Was in „München Beats“ gezeigt wird, existiert also außerhalb des Fernsehbilds nur noch als Erinnerung - was den vier Folgen zumindest ein historisches Alleinstellungsmerkmal sichert, auch wenn die Kritik sich am Serienformat reibt.