Am 5. September 1976 lief in Großbritannien die erste Folge der „Muppet Show“ auf ITV. Genau 50 Jahre später, am 5. September 2026, standen Kermit, Miss Piggy und Fozzie erneut im Mittelpunkt eines Fernsehabends: Bei den Creative Arts Emmy Awards in Los Angeles gewann das Disney+-Special „The Muppet Show“ vier Preise, darunter den Emmy für die beste vorproduzierte Varietésendung. Für Produzentin und Hauptdarstellerin Sabrina Carpenter war es der erste Emmy überhaupt - und damit die zweite Auszeichnung auf dem Weg zum EGOT-Status.
Neben dem Hauptpreis holte das Special drei technische Emmys: für das beste Drehbuch einer Varietésendung, den besten Schnitt einer Variety-Produktion und das beste Szenenbild. Insgesamt war die Sendung mit sechs Nominierungen in die Creative-Arts-Zeremonie gegangen, wie das Fachportal Quotenmeter berichtete. Der letzte offene Preis, „Outstanding Character Voice-Over Performance“ für Matt Vogel als Kermit, wurde in der zweiten Nacht der Verleihung vergeben.
It is never easy being so beautiful, so talented, so perfect, so ... Moi! But Moi makes the best of it!
Aus der Cocktailschürze der Mutter zum Weltstar
Die „Muppet Show“ ist eines der ungewöhnlichsten Erfolgsprojekte der Fernsehgeschichte. Jim Henson (1936-1990) hatte zunächst mit „Sesame Street“ ab 1969 die Kinderfernseh-Ästhetik in den USA umgekrempelt, doch für seine Variety-Idee mit Puppen fand er dort keinen Sender. Erst der britische Produzent Lew Grade ermöglichte die Produktion in London. Kermit, den Henson bereits 1955 aus dem Mantel seiner Mutter genäht hatte, wurde zum Frontmann einer halbstündigen Sendung, die zwischen 1976 und 1981 in fünf Staffeln 120 Folgen produzierte und in mehr als 100 Ländern lief. In Deutschland zeigte das ZDF die Serie ab Dezember 1977 bis 1982.
Zum Ensemble gehörten neben Kermit die Diva Miss Piggy, der stotternde Fozzie Bär, das Chaostier „Animal“ und die beiden Balkon-Kritiker Statler und Waldorf. Frank Oz, den Henson laut ZDFheute als „den größten Puppenspieler der Welt“ bezeichnete, verkörperte gleich mehrere Figuren. Gäste wie Elton John, Julie Andrews, Peter Sellers und Diana Ross wurden von den Puppen als gleichberechtigte Bühnenpartner behandelt - ein Format, das laut SRF bis heute die Grenzen zwischen Kinderprogramm und Erwachsenenunterhaltung sprengt.
Rekordabend mit Bad Bunny und Blick auf den 14. September
Die vier Muppet-Emmys waren nicht die einzige historische Marke des Wochenendes. Die Super-Bowl-LX-Halbzeitshow von Bad Bunny gewann alle sieben Preise, für die sie nominiert war, und wurde damit zur meistdekorierten Super-Bowl-Halbzeitshow in der Geschichte der Emmys. Bad Bunny holte damit ebenfalls seinen ersten Emmy. Die Peacock-Produktion „The Traitors“ mit Alan Cumming setzte sich sechsmal durch, Cumming wurde zum dritten Mal in Folge als bester Reality-Moderator ausgezeichnet.
Für Sabrina Carpenter ist der Muppet-Emmy die Fortsetzung eines rasanten Preiszyklus. Nach zwei Grammys 2025 - für „Espresso“ als beste Pop-Solo-Darbietung und für „Short n' Sweet“ als bestes Pop-Vocal-Album - fehlen ihr für den EGOT-Status nur noch ein Oscar und ein Tony Award. Die Wikipedia-Liste der bisherigen 22 EGOT-Gewinnerinnen und -Gewinner rangierte deshalb am Wochenende in Deutschland unter den meistabgerufenen Artikeln. Zuletzt war Steven Spielberg im Februar 2026 dem Klub beigetreten.
Die Hauptzeremonie der 78. Primetime Emmy Awards findet am 14. September im Peacock Theater in Los Angeles statt. Die vergebenen Creative Arts Emmys zählen zu den regulären Emmy-Preisen, werden aber traditionell an einem separaten Wochenende überreicht. Für die Muppets bleibt neben der Trophäenbilanz vor allem eine Symbolik: Ein Format, das vor 50 Jahren als schräges britisch-amerikanisches Puppen-Experiment startete, dominiert seinen eigenen Jubiläumsabend in Los Angeles.