Jürgen Klopps erste Länderspielwoche als Bundestrainer verliert zwei ihrer prägenden Namen. Der DFB bestätigte am Freitagmorgen, dass sich Jamal Musiala beim Aufwärmen zum 1:1 in Amsterdam einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zugezogen hat. Kai Havertz erlitt nach Angaben des Verbandes in der ersten Halbzeit eine Muskelzerrung. Beide Spieler traten am Freitag die Rückreise zu ihren Vereinen an.

Musiala hatte in der Startelf gegen die Niederlande gestanden, klagte aber schon vor dem Anpfiff über Beschwerden. Kurz vor Spielbeginn rückte Nadiem Amiri in die Anfangsformation. Havertz musste in Halbzeit eins vom Platz, für ihn kam der Frankfurter Younes Ebnoutalib zu seinem Länderspieldebüt. Der FC Bayern erklärte auf seiner Website, Musiala kehre vorzeitig aus der Nationalmannschaft zurück. Nach Angaben des US-Portals Bavarian Football Works wird der 23-Jährige rund drei bis vier Wochen ausfallen.

Für Klopp bedeutet das einen Umbau vor seinem Heim-Debüt. Am Sonntag um 20.45 Uhr trifft die Nationalmannschaft in der Augsburger WWK-Arena auf Griechenland, das Spiel läuft live in der ARD. Der Bundestrainer zog zwei Spieler aus dem zweiten Aufgebot vor: Florian Wirtz vom FC Liverpool und Jonathan Burkardt von Eintracht Frankfurt reisen früher als geplant im Teamhotel in Herzogenaurach an. Ursprünglich waren beide für die Partien gegen Serbien am 1. Oktober in München und in Thessaloniki am 4. Oktober vorgesehen.

Ich hätte sehr gerne gewonnen, aber Holland hatte das Unentschieden auch verdient.
- Jürgen Klopp, Bundestrainer, sportschau.de

Klopp hatte schon nach dem Abpfiff in Amsterdam angedeutet, dass die Länderspielpause für Havertz und Musiala vorzeitig enden könnte, wie t-online berichtet. Am Freitag folgte die medizinische Bestätigung. Nachdem die Startelf-Absage in Amsterdam bereits eine Neuplanung erzwungen hatte, muss der Bundestrainer nun sein Offensivspiel für Augsburg noch einmal ordnen. Mit Burkardt kommt ein Stürmer in Form: Der Frankfurter hatte am vergangenen Wochenende beim 2:2 gegen Freiburg getroffen. Wirtz startet nach seinem Sommerwechsel nach Anfield in eine ungewohnte Rolle als Nachrücker.

Frankfurter Achse und Ebnoutalib

Mit Burkardt und Ebnoutalib stehen im aktuellen Kader zwei Angreifer von Eintracht Frankfurt. Der Ebnoutalib-Wechsel gegen die Niederlande, so berichten mehrere Medien, war die späte Folge einer Kaderplanung, die Klopp gemeinsam mit seinen Assistenten Sandro Wagner und Peter Krawietz aufgesetzt hatte. Nach dem Spiel bezeichnete Klopp den Auftritt als Debüt mit Ecken und Kanten. Der Bundestrainer sprach von „voller Bereitschaft, die Jungs haben alles reingehauen“, wie die Sportschau zitiert.

Für die Nationalmannschaft schlägt sich der Doppelausfall doppelt nieder. Musiala fehlte bereits große Teile der vergangenen Saison verletzt, sein Comeback vor der WM 2026 war Teil des Aufbauprogramms unter Klopp. Havertz, der bei Arsenal in dieser Saison Stammspieler ist, hatte in Amsterdam noch versucht, sich in der ersten Halbzeit durchzubeißen. Beide Rückschläge treffen den Bundestrainer in einer Phase, in der er noch dabei ist, seine Achsen zu finden. Für die Klubs, den FC Bayern und den FC Arsenal, ist die Meldung ebenfalls unangenehm: Beide Vereine stehen in der Champions League im Kader-Dauerstress.

Klopp hatte vor dem Anpfiff in Amsterdam über die emotionale Dimension des Amtsantritts gesprochen. „Ich habe vom ersten Moment an gespürt, dass es super besonders ist“, sagte er t-online. „Und hoffe einfach, dass ich dieser besonderen Situation echt gerecht werden kann.“ Am Sonntag in Augsburg beginnt die Suche nach dem ersten Sieg unter neuer Führung, mit einem umgebauten Kader und weniger Optionen als geplant.