„Bevor das Jahr endet, wird Grok Imagine einen abendfüllenden Film der Odyssee machen, der historisch genau und dem Werk Homers treu ist.“ Mit diesem Post kündigte Elon Musk am Dienstag auf X an, sein KI-Videogenerator werde noch in diesem Jahr eine komplette Kino-Adaption des homerischen Epos ausspucken. Angaben zu Regie, Cast, Musik, Budget oder Startplattform machte der xAI-Chef nicht. Der Vorstoß erschien laut The Wrap am Dienstagabend als angepinnter Post; Deadline und Greek City Times bestätigten das Zitat.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Christopher Nolans Realverfilmung „Die Odyssee“ mit Matt Damon läuft seit dem 16. Juli in den deutschen Kinos und setzte am Startwochenende weltweit rund 264 Millionen Dollar um - Nolans bester Kinostart und einer der höchsten Auftakte für einen Nicht-Franchise-Film überhaupt. Nach Zahlen von Filmstarts wurden allein in Deutschland in der Startwoche über 530.000 Karten verkauft. Damit ist die Bundesrepublik der fünftgrößte Markt für den 70-Millimeter-IMAX-Blockbuster.
Musks Kritik an Nolan reicht Monate zurück. Bereits im Januar warf er dem Regisseur öffentlich vor, „seine Integrität verloren“ zu haben - Auslöser war die Besetzung von Lupita Nyong'o als Helena von Troja, die Musk und rechte Kommentatoren als politisch motiviert einordneten. Im Mai teilte er weitere konservative Kritik an der Besetzung. Cosmic Book News dokumentierte, dass Musk vor der Premiere in einem X-Post sogar von einem „Wurm“ sprach. Auf den Kassenerfolg hatte die Kampagne keinen erkennbaren Einfluss.
Praktisch zeitgleich zur KI-Ankündigung reagierte Musk auf einen zweiten Vorschlag. Ein Nutzer regte an, Regisseur Mel Gibson 100 Millionen Dollar für eine „historisch akkurate“ Odyssee mit Dialogen im homerischen Griechisch zu geben. Musks Antwort - dokumentiert unter anderem von Cosmic Book News - fiel knapp aus: „I'm down.“ Gibson hat mit „Die Passion Christi“ (30 Millionen Dollar Budget, über 600 Millionen Dollar Einspielergebnis) und „Apocalypto“ bereits kommerziell erfolgreiche Filme in aramäisch-lateinischer und yukatekischer Sprache produziert. Homers Werk ist gemeinfrei, keiner der Vorstöße bräuchte Rechte am Stoff.
Grok Imagine liefert bisher Minuten, nicht Stunden
Konkret bleibt die Ankündigung so vage wie das Vorbild dünn. Auslöser für Musks Zusage war ein rund dreiminütiger Odyssee-Clip des Studios Heavy Pulp, der mit Grok Imagine generiert und in dieser Woche in Musks Timeline gespielt worden war. Ob sich das auf einen abendfüllenden Kinofilm mit konsistenter Bildsprache, Dialogregie, Schnittrhythmus und Musik skalieren lässt, ist mit dem aktuellen Stand generativer Video-Modelle nicht belegt. Auch xAI selbst hat außer Musks Post keine Details veröffentlicht - kein Team, keine Regie, keine Stimmen, keine Plattform, kein Datum.
Für Musk ist der Vorstoß erkennbar auch politisch grundiert. Seit Monaten positioniert er sich als kulturpolitischer Gegenspieler eines Hollywood, das er als ideologisch getrieben bezeichnet. Der Bezug auf Homer, auf antike Genauigkeit und auf Gibson bedient dieselbe Zielgruppe, die Nolans Besetzung als Politikum kritisiert hatte. Nolans „Odyssee“ läuft indes weiter erfolgreich in den Kinos. Der spätestmögliche Termin, an dem Musks Grok-Version das Versprechen einlösen müsste, ist der 31. Dezember.