Elon Musk ist mit seiner Klage gegen den ChatGPT-Entwickler OpenAI gescheitert. Eine Jury im kalifornischen Oakland kam am 18. Mai zu dem Schluss, dass Musk erst nach Ablauf der Verjährungsfrist vor Gericht gezogen war. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers übernahm das Votum der Geschworenen, wie ZDFheute berichtet. Damit bleiben OpenAI-Chef Sam Altman und Präsident Greg Brockman im Amt.
Musk, ein früher Geldgeber von OpenAI, hatte verlangt, Altman und Brockman aus ihren Posten zu entfernen und die Struktur des KI-Unternehmens zu ändern. Sein zentraler Vorwurf: Die beiden hätten „eine wohltätige Organisation gestohlen“. Er habe rund 38 Millionen Dollar ausdrücklich für die Entwicklung gemeinnütziger KI gegeben, der Wert sei aber in den kommerziellen Arm geflossen, von dem Altman, Brockman und Microsoft profitierten. Laut Al Jazeera forderte die Klage 150 Milliarden Dollar Schadenersatz.
Der Streit um die Verjährung
Entscheidend war der Zeitpunkt. Musk hatte seine finanzielle Unterstützung für OpenAI bereits 2020 vollständig eingestellt, die Klage aber erst im August 2024 eingereicht. In Kalifornien verjähren solche Ansprüche nach drei Jahren. Die Geschworenen ließen sich nicht davon überzeugen, dass Musk erst spät Verdacht über das Verhalten seiner einstigen Mitstreiter geschöpft habe, wie der Tagesspiegel und t-online übereinstimmend berichten. Damit kam es zu keiner inhaltlichen Entscheidung darüber, ob OpenAI seinen Gründungsauftrag verraten hat - die Frist allein genügte, um die Klage zu stoppen.
Altman hatte am 12. Mai in Oakland ausgesagt und die Darstellung Musks zurückgewiesen. Vor Gericht erklärte er, eine frühe Zahl, die Musk ins Spiel gebracht habe, sei gewesen, dass ihm zum Start 90 Prozent der Anteile zustünden; Musk habe stets eine Mehrheit verlangt, so Altman laut Al Jazeera. Der Vorwurf, eine wohltätige Organisation gestohlen zu haben, passe nicht zu dem, was tatsächlich geschehen sei. Zugleich bezweifelte Altman, dass Musk verstanden habe, wie man ein gutes Forschungslabor führt.
eine wohltätige Organisation gestohlen
Was auf dem Spiel steht
Hinter dem Verfahren steht die Konstruktion von OpenAI: Ein gemeinnütziger Kern kontrolliert rechtlich eine gewinnorientierte Tochter. Ohne diese Struktur, so das Unternehmen, hätte es die Milliarden für den Betrieb nicht einsammeln können; die Kontrolle liege weiterhin beim Non-Profit-Kern. OpenAI bezeichnete Musks Klage als von Neid und dem Bedauern über seinen eigenen Ausstieg getrieben. Der Prozess fiel in eine Phase, in der OpenAI laut übereinstimmenden Berichten einen möglichen Börsengang mit einer Bewertung um eine Billion Dollar vorbereitet.
Die Dimensionen sind erheblich: ChatGPT zählt nach Unternehmensangaben rund 700 Millionen wöchentliche Nutzer, OpenAI und der Rivale Anthropic vereinen laut dem Branchendienst The Information annähernd 90 Prozent der Umsätze der KI-Industrie auf sich. Ein Erfolg Musks hätte die Führung und die Eigentümerstruktur des wertvollsten KI-Unternehmens unmittelbar vor diesem Schritt erschüttert.
Beendet ist der Streit nicht. Musks Anwalt Marc Toberoff kündigte unmittelbar nach dem Spruch Berufung an. Eine inhaltliche Klärung der Frage, ob OpenAI seinen ursprünglichen gemeinnützigen Auftrag aufgegeben hat, steht damit weiter aus - die nächste Instanz müsste zunächst erneut über die Verjährung befinden.