Kurz nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr sehen die ersten Prognosen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern die AfD knapp vor der SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Nach der Hochrechnung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kommt die Partei von Spitzenkandidat Leif-Erik Holm auf 37,9 Prozent, die SPD auf 36. Die CDU von Landesvorsitzendem Daniel Peters liegt mit 5,2 Prozent knapp über der Fünfprozenthürde und muss um den Wiedereinzug in den Schweriner Landtag bangen.

Auf den weiteren Plätzen liegen laut ZDF-Hochrechnung Die Linke mit 6,5 Prozent, die Grünen mit 5,4 und das BSW von Peter Schabbel mit 4,8 Prozent, das damit knapp den Einzug verpasst. Die FDP kommt auf ein Prozent. Die Wahlbeteiligung lag laut Landeswahlleitung bei über 75 Prozent. Das ist deutlich mehr als 2021, als 70,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten.

Für die SPD ist das Ergebnis eine Aufholjagd unter Bundes-Gegenwind. In Umfragen hatte die Partei vor einem Jahr bei 19 Prozent gelegen, während die AfD teils bei über 40 Prozent geführt worden war. „Was für eine Aufholjagd“, sagte Schwesig nach den ersten Zahlen im ZDF und wertete das Ergebnis als klare Absage an die AfD: Die Mehrheit habe sich für die demokratischen Parteien entschieden. Für die CDU wäre der Absturz von 13,3 Prozent 2021 auf 5,2 Prozent das schlechteste Landtagsergebnis der Union in Mecklenburg-Vorpommern seit Gründung des Landes.

Die AfD ist gekommen, um zu bleiben.
- Enrico Schult (AfD), Landesvorsitzender MV, im ZDF

Koalitionsrechnung schwierig

Trotz des ersten Platzes hat die AfD keine Aussicht auf Regierungsbeteiligung: Alle anderen Parteien schließen eine Zusammenarbeit aus. Schwesig kündigte an, ihre Arbeit als Ministerpräsidentin fortzusetzen. Rechnerisch bleibt der SPD ein Bündnis mit der Linken, das gemeinsam auf 42,5 Prozent käme; für eine Mehrheit im Landtag dürfte das reichen, weil das BSW an der Sperrklausel scheitert und dessen Sitze auf die verbliebenen Parteien verteilt werden. Ob Schwesig eine Neuauflage der bisherigen rot-roten Koalition sucht oder eine Große Koalition mit der geschrumpften CDU anstrebt, blieb am Wahlabend offen. Für Verhandlungen mit dem seit 2020 amtierenden Fraktionschef Peters müsste die CDU zunächst die Fünfprozenthürde sicher passieren, was das vorläufige amtliche Endergebnis in der Nacht zeigen soll.

Merz-Regierung unter Druck

Für Kanzler Friedrich Merz ist das Doppelergebnis aus Berlin und Schwerin eine Belastung. In der Hauptstadt kam die CDU nach Prognosen auf rund 20 Prozent und stürzte damit gegenüber 2023 zweistellig ab, in Mecklenburg-Vorpommern droht der Absturz auf einstellige Werte. Merz sprach am Wahlabend von einem achtbaren Berliner Ergebnis und einer Katastrophe in Schwerin, wie die Tagesschau berichtete. In der Union war zuletzt offen über einen Kanzlertausch zugunsten von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst oder Bayerns Regierungschef Markus Söder diskutiert worden. Bundesweit sehen Umfragen die AfD seit Wochen bei 28 bis 29 Prozent, die Union bei rund 20.

Enrico Schult, Landesvorsitzender der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, kündigte in der ZDF-Wahlsendung an, seine Partei sei „gekommen, um zu bleiben“. Holm hatte im TV-Duell am 9. September Schwesig mit scharfer Migrationsrhetorik attackiert; der Ton der Sendung war von der ARD als aggressiv beschrieben worden. Das vorläufige amtliche Endergebnis wurde in der Nacht erwartet, endgültige Sitzverteilung und Koalitionsverhandlungen dürften sich über Wochen ziehen.