Am Donnerstag wird Julian Nagelsmann zum tausendsten Mal als deutscher Bundestrainer aufwachen. Genau 1000 Tage zuvor, am 22. September 2023, übernahm der heute 38-Jährige das Amt von Hansi Flick - im Schatten einer Länderspiel-Krise und mit dem Auftrag, das DFB-Team rechtzeitig vor der Heim-EM 2024 zu stabilisieren. Inzwischen ist daraus ein Turnierkurs geworden, der in dieser Woche in den USA seinen ersten Härtetest bestand.

Die Bilanz, die Nagelsmann ins Jubiläum nimmt, hat sich mit dem 7:1 gegen Curaçao am vergangenen Wochenende noch einmal verbessert. Nach Auswertung der Statistikseite Fussballnationalmannschaft.net stehen 22 Siege, sechs Unentschieden und sechs Niederlagen aus 34 Länderspielen zu Buche. Der Punkteschnitt von 2,12 pro Partie reicht im historischen Ranking für Platz drei - hinter Berti Vogts (2,18) und Jupp Derwall (2,15), aber vor allen anderen Bundestrainern. Zehn Siege in Serie hat das Team zuletzt eingefahren, der höchste Auftakttreffer einer deutschen WM seit 2010.

Beim DFB-Quartier in Winston-Salem ist das Datum kein offizielles Thema. Die Mannschaft hat den 16. Juni als freien Tag genutzt, am Mittwoch beginnt die intensive Vorbereitung auf das zweite Gruppenspiel. Am Samstag um 22 Uhr deutscher Zeit trifft Deutschland im Toronto Stadium auf die Elfenbeinküste, wie die Sportschau am Mittwoch in ihrem Liveblog meldete. Ein Sieg würde das Achtelfinal-Ticket vorzeitig sichern.

Nee, aber mehr Supertage als schlechte Tage. Ich glaube, nur Supertage gibt es nie.
- Julian Nagelsmann im Podcast „Spielmacher“

Völler und Matthäus sehen einen veränderten Trainer

Im Umfeld der Nationalmannschaft mehren sich seit Wochen Stimmen, die einen Wandel im Auftreten des Bundestrainers konstatieren. DFB-Sportdirektor Rudi Völler sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, Nagelsmann sei „nicht mehr so unbedarft wie noch vor der Europameisterschaft“, und lobte dessen Charakterstärke: „Er stellt sich, obwohl er weiß, dass es dann auch ein bisschen holprig werden kann.“ Das offizielle Turnierziel formulierte Völler vorsichtig: schwer zu schlagen solle die Mannschaft sein.

Lothar Matthäus hatte wenige Tage vor dem Auftakt gegen Curaçao die Nachnominierung von Assan Ouedraogo kommentiert und dabei einen Satz formuliert, der über den konkreten Anlass hinausreichte: „Er trägt die Verantwortung“, sagte der Rekordnationalspieler über den Bundestrainer. Nagelsmann selbst hat seine Tonlage angepasst. Bei der Kaderbekanntgabe am DFB-Campus in Frankfurt sprach er von einem „starken Kader, von dem ich absolut überzeugt bin“. Im Podcast „Spielmacher“ beschrieb er die Amtszeit als Mischung aus Höhepunkten und Rückschlägen - die Formulierung mit den „Supertagen“ stammt aus dieser Sendung.

Jüngster Bundestrainer aller WM-Coaches

Historisch ragt Nagelsmann allein durch sein Alter heraus. Mit 38 Jahren ist er der jüngste Bundestrainer in der deutschen WM-Geschichte und zugleich der jüngste der 48 Nationaltrainer beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko. Nur Otto Nerz war 1923 jünger, als er das Amt übernahm. Sein bisheriges Debüt absolvierte Nagelsmann mit 36 Jahren am 14. Oktober 2023 in Hartford, ausgerechnet im späteren WM-Gastgeberland - Deutschland gewann damals 3:1 gegen die USA.

Sein bis zur EM 2028 laufender Vertrag enthält für beide Seiten Ausstiegsklauseln, gekoppelt an das Turnier-Abschneiden. Einen WM-Titel hat in Deutschland noch kein Bundestrainer im ersten Anlauf gewonnen; einzig Jupp Derwall holte 1980 bei der EM nach exakt 1000 Tagen einen großen Titel. Sollte Nagelsmann am Samstag in Toronto den nächsten Schritt machen, dürfte das Datum dennoch eine Randnotiz bleiben - sportlich ist es längst zur kommenden Runde übergegangen.