Wie wir am Donnerstagabend berichteten, hatte der DFB Julian Nagelsmann nach dem dreistündigen Gipfel im Frankfurter Campus einen freiwilligen Rücktritt nahegelegt. Am Freitagmorgen berichtet Sky Sport, der Verband wolle die Trennung „im Laufe des Tages“ bekanntgeben. Die Frankfurter Rundschau geht in ihrer Online-Ausgabe noch einen Schritt weiter: Nagelsmann sei bereits am Donnerstag persönlich über seine Entlassung informiert worden - das direkte Gespräch habe der DFB als „Frage der Fairness gegenüber dem Chefcoach, der den Job im Herbst 2023 angetreten hat“, verstanden.

Der Weg zur Verkündung führt für das Präsidium nicht nur über die Formulierung einer Pressemitteilung, sondern über zwei Rechenaufgaben. Erstens: die 14-köpfige Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG muss der Trennung zustimmen. Zweitens - und das ist nach Recherchen von Sport1 das Hauptmotiv für den Wunsch nach einem freiwilligen Rücktritt - geht es um Geld. Nagelsmanns bis nach der EM 2028 laufender Vertrag ist mit rund sieben Millionen Euro pro Jahr dotiert. Eine ordentliche Kündigung würde den Verband nach Sport1-Informationen rund 14 Millionen Euro Abfindung kosten, ein einvernehmlicher Rücktritt könnte auf etwa sieben Millionen gedeckelt werden. Der DFB hat durch das frühe WM-Aus bereits Millionen an FIFA-Prämien verloren.

Neben der Kostenfrage nennt Sport1 einen zweiten Grund: Das Präsidium wolle „genau jene Einheit symbolisieren, die man sich in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut hat“. Ein Rücktritt nach dem Vorbild des niederländischen Trainers Ronald Koeman wäre der gesichtswahrende Ausweg. Nagelsmann selbst hatte einen solchen Schritt am Montag im ZDF ausgeschlossen und angekündigt: „Ich bin keiner, der wegläuft.“ Ob er nun einlenkt oder auf die formelle Trennung wartet, ist am Freitagmorgen offen. Der Kicker berichtet, ein weiteres, tiefergehendes Analysegespräch könnte sich bis zum Wochenende ziehen.

Klopp: Der Preis für Red Bull

Parallel zur Trennungsfrage laufen die Gespräche mit dem Wunschkandidaten. Nach übereinstimmenden Berichten von Sport1 und Frankfurter Rundschau hat der DFB die Verhandlungen mit Jürgen Klopps Berater Marc Kosicke und mit Red Bull „bereits intensiviert“. Der 58-Jährige steht seit dem 1. Januar 2025 als „Head of Global Soccer“ beim Getränkekonzern unter Vertrag, die Laufzeit reicht bis 2029. Eine Ausstiegsklausel ist nicht bekannt. DFB-Vize Hans-Joachim Watzke, dessen enges Verhältnis zu Klopp auf die gemeinsamen Dortmunder Jahre zurückgeht, gilt als Türöffner. Die Wetterauer Zeitung sieht in einer möglichen kostengünstigen Freigabe für Red Bull selbst ein PR-Motiv: Der Konzern, der 2023 noch 25 Millionen Euro Ablöse an Bayern für Nagelsmanns Vorgänger-Klub-Deal verhandelt hatte, könnte sein umstrittenes Fußball-Image aufpolieren, indem er den Trainer freigibt.

Ich glaube, dass es passieren wird.
- Bastian Schweinsteiger über einen Wechsel von Klopp zum DFB, MagentaTV

Klopp analysiert das laufende Turnier ebenfalls für MagentaTV, an gleicher Stelle nannte ihn Bastian Schweinsteiger zusammen mit Rudi Völler zuletzt das „Dream-Team“ für den Neustart. Ob Völler bleibt, ist allerdings selbst Teil der Debatte: Sein Vertrag als Sportdirektor läuft nach der WM aus, eine Verlängerung war schon vor dem Turnier nicht gesichert. Auch die Position von Geschäftsführer Andreas Rettig wird nach Sport1-Informationen im Präsidium diskutiert. Die Rundum-Neuaufstellung, die Kicker-Chefreporter Oliver Hartmann schon am Montag als „radikale Verjüngung“ gefordert hatte, könnte also über den Bundestrainer hinausgehen.

Der Kalender drängt. Anfang September steht der Nations-League-Auftakt an, bis dahin muss die Sportliche Leitung stehen. Fällt die Trennung am Freitag, hätte der DFB zwei Monate für die Verpflichtung Klopps, die Anpassung des Trainerstabs und die erste Nominierung. Bleibt Nagelsmann eine weitere Woche im Amt, verschiebt sich alles nach hinten. Dass die Uhr gegen den Bundestrainer läuft, ist nach den Meldungen dieses Morgens die einzige belastbare Konstante.