Wie wir am Montagabend berichteten, ist die deutsche Nationalmannschaft im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay gescheitert - im Elfmeterschießen, nach einer Partie ohne Wende und mit drei verschossenen Versuchen. Einen Tag später hat Julian Nagelsmann seine Konsequenz öffentlich gemacht: keine. „Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen“, sagte der 38-Jährige nach der Niederlage in Foxborough. „Ich habe Vertrag und ich stehe auch zur Verfügung.“ Parallel sagte der DFB nach Informationen von Sport1 die für Dienstagnachmittag im Teamquartier Winston-Salem angesetzte Abschluss-Pressekonferenz ab.
DFB-Sportdirektor Rudi Völler stellte sich öffentlich hinter den Bundestrainer, ließ sich aber eine Hintertür offen. „Ich finde immer noch: Er ist ein absoluter Toptrainer“, sagte Völler in der Sportschau und fügte den vielsagenden Halbsatz an: „Ich bin nicht der DFB allein.“ Der Verband mit Präsident Bernd Neuendorf an der Spitze hat sich nach Sport1-Informationen in der Nacht zu Dienstag beraten - eine formelle Entscheidung über die Zukunft Nagelsmanns, dessen Vertrag bis nach der EM 2028 läuft, steht aus.
Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen.
Bereits am Montagabend rückte Jürgen Klopp ins Zentrum der Spekulationen - und der frühere Liverpool-Trainer, seit Januar 2025 Head of Global Soccer bei Red Bull, dämpfte sie sofort. „Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment“, sagte Klopp bei Magenta TV. Gegenüber Sport1 wurde er deutlicher: „Es wäre skurril, wenn sie jetzt zwei Minuten nach dem Aus mit mir Vertragsgespräche führen würden.“ Klopp betonte, er habe einen Job, den er gern mache.
Kimmich verteidigt den Coach
Aus der Kabine bekam Nagelsmann Rückendeckung. Kapitän Joshua Kimmich erklärte nach Abpfiff bei Magenta TV: „Keiner von uns sitzt jetzt in der Kabine und gibt ihm die Schuld daran.“ Auf die Frage, ob er einen Rücktritt befürchte, antwortete Kimmich knapp: „Ich hoffe natürlich, nicht.“ Eine andere Tonlage hatte am Dienstag der Eurosport-Kommentar von Patrick Strasser, der von einer „Hybris“ Nagelsmanns sprach. Bezugspunkt war der Auftritt des Bundestrainers nach der Niederlage, in dem er gesagt hatte: „Es wäre mehr möglich gewesen. Wir hätten uns auch gerne gegen Frankreich duelliert.“ Statt Selbstkritik, so der Vorwurf, habe Nagelsmann mit dem Auftritt das frühe Aus relativiert.
Pressekonferenz gestrichen, Heimflug am Dienstag
Statt der ursprünglich für 13 Uhr Ortszeit (19 Uhr deutscher Zeit) angesetzten Pressekonferenz im Teamquartier in Winston-Salem soll die Mannschaft nun direkt in den Sommerurlaub abreisen, wie der DFB intern verlautbarte. Die nächste sportliche Hürde wartet im September mit der Nations League - falls Nagelsmann den Termin dann noch wahrnimmt. „Ich stehe bereit, wenn man das möchte“, hatte er am Montagabend gesagt. „Wenn man das nicht möchte, dann muss man mir das sagen.“ Eine offizielle DFB-Antwort steht aus.