Santa Clara. Wie wir am Samstagabend berichteten, hat die Schweizer Nationalmannschaft ihren WM-Auftakt gegen Außenseiter Katar in der Nachspielzeit verspielt. Einen Tag später sortiert sich die Nati öffentlich: Trainer Murat Yakin verteidigt seinen Plan und räumt zugleich Fehler ein, Kapitän Granit Xhaka nimmt die Einwechselspieler in die Pflicht. Die Sportschau bezeichnet das 1:1 in einer Analyse als „Mahnmal aller Favoriten“.
„Es schmerzt extrem“, sagte Yakin nach Schlusspfiff gegenüber Watson. „Diese vergebenen Chancen, die wir hatten, aber leider zu wenig effizient waren.“ Der Nati-Coach verteidigte zunächst die Anlage seiner Mannschaft: „Eigentlich ist es aufgegangen von der Art und Weise, wie wir es erwartet haben.“ Im selben Atemzug räumte Yakin die späten Versäumnisse ein. „In den letzten Minuten hat etwas die Cleverness gefehlt, und wir haben den Ball einige Male unnötig hergegeben.“ Sein Fazit gegenüber dem Schweizer Portal: „Daraus müssen wir unsere Lehren ziehen.“
Xhaka nimmt die Einwechselspieler in die Pflicht
Deutlicher fielen die Worte des Kapitäns aus. Granit Xhaka sprach gegenüber t-online aus, was nach dem späten Ausgleich in der Schweizer Kabine offenbar unausgesprochen blieb. „Wenn der Trainer Spieler reinbringt und man hat auf gewissen Positionen die Disziplin nicht, dann wirds schwierig“, sagte der Sunderland-Profi. Beim entscheidenden Kopfball von Boualem Khoukhi in der 94. Minute waren laut t-online mit Miro Muheim, Ardon Jashari und Johan Manzambi gleich drei Einwechselspieler an der Aktion beteiligt. Wenig später relativierte Xhaka mit Blick auf das Kollektiv: „Wir sind ein Team. Letztlich müssen wir uns an der eigenen Nase nehmen.“
Erstmal müssen wir mit beiden Beinen auf den Boden kommen und die Realität sehen. Sehen, dass wir nicht so weit sind, wie wir vielleicht vor dem Turnier gesprochen haben.
Die Statistik unterstrich die Diagnose der Sportschau: 26 Torschüsse zu sieben, zehn Ecken zu drei, 35 erzwungene Ballverluste zu 29 - und am Ende nur ein Punkt im Levi's Stadium. „Am Ende haben die Entschlossenheit und der Killerinstinkt gefehlt“, zitierte das ARD-Portal Yakin. Torhüter Gregor Kobel und Innenverteidiger Manuel Akanji sprachen laut 20 Minuten von „wirklich guten Torchancen“, die ungenutzt blieben. Auch Xhakas Lesart der Schlussphase deutete in dieselbe Richtung: „Wir wussten, sie warten auf den richtigen Moment“, sagte der Kapitän dem Schweizer Portal. „Und der Moment ist in der 94. Minute gekommen.“
Vor dem Bosnien-Spiel wächst der Druck
Am Donnerstag steigt das zweite Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina. In Gruppe B trennten sich am Freitag in Toronto auch Kanada und Bosnien 1:1, alle vier Teams liegen damit gleichauf. Wie der Blick berichtet, sucht Yakin nun die Balance zwischen Aufarbeitung und Aufbauarbeit. Erstmals seit Beginn des Turniers steht die Nati öffentlich unter Erklärungsdruck - ein Befund, den Xhaka selbst formuliert: Die Mannschaft sei „nicht so weit“, wie sie sich vor dem Turnier eingeschätzt habe. Gegen einen ambitionierten Gruppengegner, der bereits einen Punkt holte, darf der späte Bruch von Santa Clara nicht zur Serie werden.