Die New York Knicks können in der Nacht zum Sonntag deutscher Zeit ihren ersten NBA-Meistertitel seit 1973 holen. Spiel 5 der Finalserie gegen die San Antonio Spurs beginnt am Samstag um 20.30 Uhr Ortszeit (Sonntag, 2.30 Uhr MESZ) im Frost Bank Center und wird in den USA von ABC übertragen. New York führt nach dem historischen 107:106 in Spiel 4 mit 3:1, das größte Comeback der NBA-Finals-Geschichte aus 29 Punkten Rückstand hat den Knicks ein Matchball-Auswärtsspiel in Texas beschert.

Es ist das erste Mal seit 53 Jahren, dass die Franchise so nah an einem Titel steht. Der letzte und bislang einzige Meistertitel der Knicks aus dem Jahr 1973 unter Trainer Red Holzman mit Walt Frazier und Willis Reed liegt fast ein halbes Jahrhundert zurück. Auf der Pressekonferenz nach Spiel 4 wollte Jalen Brunson das Comeback weder feiern noch überhöhen. „Es gibt nichts zu feiern“, sagte der Knicks-Kapitän, nachdem er in Madison Square Garden 36 Punkte und sieben Assists aufgelegt hatte.

Wembanyama als letztes Spurs-Argument

Den letzten Strohhalm hält Victor Wembanyama in der Hand. Der französische Center hatte in Spiel 4 zwar 24 Punkte und 13 Rebounds erzielt, aus dem Feld traf er aber nur einen Bruchteil seiner 24 Würfe. In Spiel 3, dem einzigen Spurs-Sieg der Serie in San Antonio, war Wembanyama mit 32 Punkten, acht Rebounds und sechs Assists der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft. Vor Spiel 5 betont der heavy.com-Analyse zufolge ein Spurs-Lager ohne Verletzungssorgen, dass Wembanyama körperlich bereit sei - der 22-Jährige spielte in der Serie im Schnitt 40,3 Minuten und stand in Spiel 4 sogar 44 Minuten auf dem Parkett.

Die Buchmacher behandeln Spiel 5 wie ein Heimspiel mit Hypothek. San Antonio geht laut CBS Sports und ESPN/DraftKings als 5,5-Punkte-Favorit in die Partie. Die Knicks haben allerdings die beiden bisherigen Auftritte im Frost Bank Center gewonnen - in einer Serie, in der die Heimmannschaft erst ein einziges Mal als Sieger vom Parkett ging. Spurs-Trainer Mitch Johnson muss erklären, wie ein Team, das in der ersten Halbzeit von Spiel 4 einen Finals-Rekord von 14 Dreiern auflegte, im dritten Viertel nur 14 Punkte erzielen konnte und damit das Spiel verlor.

Es gibt nichts zu feiern.
- Jalen Brunson, Kapitän der New York Knicks, nach Spiel 4

OG Anunoby und das Risiko des frühen Champagners

Sportlich liegt das Knicks-Momentum bei OG Anunoby, dessen Tipp-In 1,2 Sekunden vor Schluss in Spiel 4 das Comeback gekrönt hatte. Der Forward kommt in dieser Finalserie auf einen Schnitt von 23,8 Punkten und trifft 55,8 Prozent seiner Würfe aus dem Feld, dazu 15 verwandelte Dreier. Brunson und Anunoby standen in der zweiten Halbzeit von Spiel 4 für 50 Punkte - die Wende war kein Einzelmoment, sondern eine viertelübergreifende Serie. Trotzdem warnen die Knicks intern davor, das Tempo zu verschleppen: Ein verlorenes Spiel 5 brächte die Serie zurück nach New York mit zwei Heimchancen für San Antonio - und die Erinnerung an das eigene Comeback wäre dann ein Bumerang.

Auch in New York wird auf den Moment vorbereitet. Bürgermeister Zohran Mamdani sagte ABC7, die Stadt stehe „an der Schwelle der Geschichte“, und sicherte zugleich zu, einen möglichen Titelgewinn sicher abzufedern. Die letzten Knicks-Meisterfeiern auf den Straßen Manhattans liegen außerhalb des Erinnerungshorizonts der meisten Anhänger. Vor dem Spiel veröffentlichten CBS Sports und Yahoo Sports Modelle, die eine knappe Partie unter 216,5 Gesamtpunkten erwarten - in drei der vier bisherigen Finalpartien hatte die Underline gehalten.