Zwei Tage nach der Sturzflut an der nepalesisch-chinesischen Grenze steigt die Zahl der Toten weiter. Wie wir bereits am Mittwoch berichteten, hatte das Bhotekoshi-Tal in der Region Rasuwa nach einer Flutwelle unter Wasser gestanden. Am Donnerstag meldete die nepalesische Polizei 389 bestätigte Todesopfer, dazu drei weitere auf chinesischer Seite. Damit steigt die offizielle Bilanz laut Tagesspiegel und ZDFheute auf 392 Tote. Mehr als 1.400 Menschen werden noch vermisst, unter ihnen rund 580 Touristen und nach Angaben des Auswärtigen Amts acht Deutsche.
Die Ursache ist inzwischen klarer benannt. Der US-Erdbebendienst USGS hatte zunächst ein seismisches Ereignis der Stärke 5,2 registriert. Eine Nachanalyse ergab, dass es sich nicht um ein Erdbeben handelte, sondern um einen Gletscherabbruch mit anschließender Eis- und Geröll-Lawine. Das International Centre for Integrated Mountain Development bestätigte den Ablauf: Ein Gletscher habe sich gelöst, die Massen den Bhotekoshi aufgestaut und die Welle anschließend das Tal hinabgejagt.
573 Menschen konnten am Donnerstag mit insgesamt 69 Hilfsflügen gerettet werden.
Nach Angaben der Regierung wurden bis Donnerstagabend 573 Menschen mit 69 Hilfsflügen aus den betroffenen Ortschaften ausgeflogen. Rund 3.500 Bewohner sind in Notunterkünften untergebracht. Kathmandus Bürgermeister Balen Shah, der die Rettungskoordination im Hauptstadtbezirk leitet, erklärte, oberste Priorität sei es, Leben zu retten. Insgesamt seien mehr als 13.000 Kräfte von Armee und Polizei im Einsatz. 103 Leichen wurden im rund 100 Kilometer flussabwärts gelegenen Distrikt Chitwan geborgen - eine Angabe, die illustriert, wie weit die Flut Trümmer und Opfer mitgerissen hat.
Berlin und Peking sagen Hilfe zu
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) sprach den Angehörigen und Rettungskräften auf X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte, Deutschland sei bereit, Nepal zu unterstützen. Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping ordnete laut Tagesspiegel eine „umfassende Suche nach den Vermissten“ an und verlangte „stärkere Überwachungs- und Frühwarnsysteme, um Folgekatastrophen zu verhindern“. China entsandte 324 Einsatzkräfte und 24 Tonnen Hilfsgüter.
Die Lage bleibt gefährlich. Nach Angaben von ZDFheute bildete sich flussaufwärts ein Barrieresee mit rund zwei Millionen Kubikmetern Wasser. Bricht der natürliche Damm, droht eine zweite Flutwelle. Mindestens 17.000 Kinder sind nach UN-Angaben in den Distrikten Rasuwa, Nuwakot und Dhading unmittelbar betroffen. Für Nepal ist es die schwerste Katastrophe seit dem Erdbeben von 2015.