Nach einer verheerenden Sturzflut im nepalesischen Grenzgebiet zu China suchen Rettungskräfte am Mittwoch nach Hunderten Vermissten. Bei dem Wasser- und Schlammabgang am Fluss Bhotekoshi im Distrikt Rasuwa kamen nach Angaben der Behörden mindestens 95 Menschen in Nepal und drei in China ums Leben, wie Tagesspiegel, Tages-Anzeiger und CNN übereinstimmend berichten. Die Flutwelle traf die Ortschaften Timure und Syarubesi in der Langtang-Region am Mittwoch gegen 8.30 Uhr Ortszeit.
Das nepalesische Tourism Board meldet 384 vermisste Reisende, darunter 133 Inder, 47 US-Amerikaner, 33 Briten, acht Südkoreaner sowie „mehr als 290 Ausländer, etwa aus Deutschland“. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte am Mittwochnachmittag jedoch, „zum jetzigen Zeitpunkt“ lägen keine Erkenntnisse über betroffene deutsche Staatsangehörige vor. Der Grenzübergang Rasuwagadhi, eine der beiden wichtigsten Handelsrouten zwischen Nepal und Tibet, ist wegen zerstörter Straßen und Brücken abgeschnitten.
Wir suchen die Vermissten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.
Ganze Dörfer entlang des Bhotekoshi wurden nach Angaben der Behörden weggeschwemmt oder unter Schlammmassen begraben, Zehntausende Menschen sind von der Außenwelt abgeschnitten. Nepals Regierung setzt Armee und zusätzliche Polizeieinheiten für die Bergungsarbeiten ein; auf chinesischer Seite ist der stellvertretende Ministerpräsident Zhang Guoqing für die Koordination zuständig. Staatschef Xi Jinping ordnete laut Staatsagentur Xinhua den Einsatz „aller verfügbaren Rettungskräfte“ an.
Erdbeben, Gletscherausbruch oder Bauarbeiten?
Die Ursache der Flutwelle ist noch nicht abschließend geklärt. Das Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam registrierte etwa sieben Minuten vor Eintreffen der Wassermassen ein Erdbeben der Stärke 4,4 nördlich von Kathmandu. Der Klimaforscher Rijan Bhakta Kayastha von der Kathmandu University vermutet, dass eine Eislawine den Zufluss Lhende blockiert und dann ein Gletschersee-Ausbruch die eigentliche Flut ausgelöst haben könnte. Nepals Außenminister Shisir Khanal sagte, das Ereignis sei „möglicherweise durch ein Erdbeben ausgelöst“ worden. Ein nepalesischer Online-Nachrichtendienst berichtet zudem, dass Bauarbeiten auf chinesischer Seite eine Rolle gespielt haben könnten - eine These, die von den Behörden bisher nicht bestätigt wurde.
Die Region an der nepalesisch-chinesischen Grenze ist während der Monsunzeit regelmäßig von Erdrutschen und Überschwemmungen betroffen; die Zahl der Sturzfluten nimmt nach Angaben nepalesischer Klimaforscher seit Jahren zu. Der jüngste vergleichbare Vorfall an derselben Grenze ereignete sich im Juli 2025, damals starben mehr als 20 Menschen. Die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz haben Hilfe zugesagt; die deutsche Botschaft in Kathmandu bittet Reisende in der Region, sich in der Krisenvorsorgeliste Elefand des Auswärtigen Amts zu registrieren.