Die Zahl der Todesopfer nach der Sturzflut in Nepal und Tibet ist bis Sonntag auf mindestens 750 gestiegen, fast 3.000 Menschen werden weiterhin vermisst. Wie das Nachrichtenportal Rappler unter Berufung auf die Katastrophenschutzbehörden beider Staaten meldet, sind in Nepal mindestens 675 Tote bestätigt, in Tibet sieben. Nepals Tourismusbehörde spricht von 517 vermissten Ausländern, darunter acht Deutschen, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Auswärtige Amt berichtet.
Wie wir am 27. August berichteten, hatten Nepals Behörden die Zahl der Vermissten damals mit 1.400 angegeben. Innerhalb von 72 Stunden hat sich die Lage weiter verschärft: Rettungskräfte finden in den Trümmern entlang des Bhote Koshi und des Trishuli immer mehr Leichen, gleichzeitig kommen neue Vermisstenmeldungen aus abgeschnittenen Siedlungen hinzu. Das Internationale Rote Kreuz beziffert die Zahl der insgesamt betroffenen Menschen auf 93.000.
Neuer Bergsee als zweite Gefahr
Über der zerstörten Region hat sich nach Angaben chinesischer Behörden ein neuer Sperrsee mit einem Volumen von rund zwei Millionen Kubikmetern gebildet. Fachleute überwachen die Wassermenge per Aufklärungsdrohne. Bricht der aus Geröll und Sedimenten aufgebaute Damm, drohe eine weitere Sturzflut, warnte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua nach einem Bericht der Tagesschau. Der bereits durch den ersten Gletscherabbruch weitgehend zerstörte Grenzort Gyirong Port, der wichtigste Handelshafen zwischen China und Nepal, wäre erneut betroffen.
Alle Siedlungen entlang des Flusses wurden weggerissen. Es ist nichts mehr übrig.
Nepal beziffert die materiellen Schäden bislang auf rund 200 Milliarden nepalesische Rupien, etwa 1,125 Milliarden Euro. Die US-Erdbebenwarte USGS hatte den Gletscherabbruch am Langtang Lirung ursprünglich mit einer Magnitude von 4,4 registriert und die seismischen Signale nach weiterer Auswertung auf 5,2 angehoben. Die Flut aus Wasser, Schlamm und Geröll wälzte sich am 26. August innerhalb von 30 Minuten sieben bis neun Meter hoch über den Grenzübergang.
Berlin bestätigt vermisste Deutsche
Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte gegenüber AFP eine „hohe einstellige Zahl“ an vermissten deutschen Staatsangehörigen. Die deutsche Botschaft in Kathmandu stehe in engem Kontakt mit den nepalesischen Behörden, ein Krisenteam sei aktiviert. Die meisten Deutschen sind demnach in der Trekking-Region um Langtang verschwunden, die zu den beliebtesten Wanderzielen des Landes zählt. Neben acht Deutschen listet die nepalesische Tourismusbehörde 55 vermisste Malaysier, 53 Ukrainer, 47 US-Amerikaner, 34 Australier, 33 Briten und 24 Kanadier.