Manuel Neuer hat im DFB-Quartier in Winston-Salem das Ende seiner Nationalmannschaftskarriere angekündigt. Auf der Pressekonferenz am Donnerstagabend, gut 36 Stunden vor dem zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste, sagte der 40-jährige Torwart, die laufende Weltmeisterschaft werde sein letztes Turnier im DFB-Trikot sein.
„Für mich steht es im Prinzip fest, dass es mein letztes Turnier ist. Ich habe jetzt nicht vor, in zwei Jahren bei einer Europameisterschaft zwischen den Pfosten zu stehen“, erklärte Neuer laut sportschau.de gegenüber den mitgereisten Journalisten. Die Pressekonferenz im Mannschaftshotel in North Carolina war für 19:45 Uhr deutscher Zeit angesetzt; Neuer bezog gegen 20:11 Uhr Position auf dem Podium.
Für mich steht es im Prinzip fest, dass es mein letztes Turnier ist.
Damit beendet der Bayern-Keeper eine Hängepartie, die seit seiner Rückkehr in den Kader im Mai 2026 schwelte. Nach der Heim-EM 2024 hatte Neuer das DFB-Tor verlassen, ehe Bundestrainer Julian Nagelsmann ihn rund 709 Tage später zurückholte. Beim Auftakt-7:1 gegen Curacao in Houston spielte Neuer sein 125. Länderspiel und ist mit dem WM-Auftakt zum ältesten deutschen Tormann bei einem großen Turnier aufgestiegen.
Den eigenen Rückzug von 2024 verteidigte Neuer am Donnerstag erneut: „Ich bin 2024 nach einer tollen Heim-EM aus gutem Grund zurückgetreten.“ Die zwei Jahre Pause seien angesichts der Belastung beim FC Bayern sportlich notwendig gewesen. Seine Rückkehr in den Kader beschrieb er als „Geschenk“ - er habe sich diesmal in Ruhe vorbereiten können.
Nagelsmann setzt weiter auf die Aura
Nagelsmann hatte die Personalie schon vor dem Turnier mit der Persönlichkeit seines Stammkeepers begründet. „Das Entscheidende bei Manu ist die Aura, die ihn umgibt“, sagte der Bundestrainer am Mittwoch in der Vorbereitung auf die Elfenbeinküste. An der sportlichen Hierarchie ändert Neuers Ankündigung zunächst nichts: Er steht am Samstag um 22 Uhr deutscher Zeit gegen Ivorien wieder im Tor, der DFB meldet keine neuen Verletzten.
Zur eigenen Titelchance wollte sich der 40-Jährige nicht überheben, ließ aber keinen Zweifel an den Erwartungen: „Ich traue es der Mannschaft auf jeden Fall zu, sonst wäre ich nicht hier. Für mich wäre es natürlich etwas ganz Besonderes, das ein zweites Mal zu schaffen.“ 2014 hatte Neuer mit Deutschland in Rio den Titel geholt.
Mit dem Rücktritt nach dem Turnier öffnet Neuer faktisch die Nachfolgefrage im DFB-Tor. Marc-Andre ter Stegen fällt langfristig aus, Oliver Baumann ist nominell die Nummer zwei in den USA, Alexander Nübel hat in Stuttgart eine starke Saison gespielt. Spätestens nach der WM, die am 19. Juli in New York endet, muss Nagelsmann den Weg in Richtung EM 2028 in Großbritannien und Irland definieren - dann ohne den Mann, der das deutsche Tor seit 2009 prägt.