Leo Neugebauer hat am Donnerstagnachmittag im Birminghamer Alexander Stadium den Meisterschaftsrekord im Diskuswurf des Zehnkampfs pulverisiert. Der Weltmeister vom VfB Stuttgart schleuderte die Scheibe im ersten Versuch auf 54,31 Meter und verbesserte die alte EM-Bestmarke um mehr als zwei Meter. Nach sieben von zehn Disziplinen führt er das Feld mit 6.301 Punkten an.
Der Vorsprung auf den überraschend starken Niederländer Jeff Tesselaar wuchs damit auf 225 Zähler. Dritter ist der Norweger Sander Skotheim mit 6.023 Punkten. Neugebauer distanzierte seine Konkurrenten im Ring um mehr als fünf Meter - eine deutliche Ansage vor den entscheidenden Disziplinen Stabhochsprung, Speerwurf und 1.500 Meter.
Ich komme gut rein, die Stimmung mit den ganzen deutschen Fans ist fantastisch. Die Anpassungen im Anlauf haben sich ausgezahlt.
Zuvor hatte Neugebauer die 110 Meter Hürden in 14,94 Sekunden bewältigt, ein Ergebnis deutlich über seiner Saisonbestzeit von 14,57 Sekunden. Gegenwind mit 1,9 Metern pro Sekunde hatte den 26-Jährigen ausgebremst. Trotzdem blieb er in Führung, weil auch Tesselaar und Skotheim in den Hürden verhalten agierten.
Kaul rückt in Medaillenposition
Niklas Kaul hat sich mit einem starken Diskusversuch von 48,88 Metern auf Rang fünf verbessert. Der Weltmeister von 2019 kommt nach sieben Disziplinen auf 5.943 Punkte. Auf Bronze fehlen ihm knapp 80 Zähler, doch seine Paradedisziplinen kommen erst noch: Kaul gilt als einer der besten Speerwerfer und 1.500-Meter-Läufer im Feld. Am ersten Wettkampftag hatte der Mainzer bereits mit einer Saisonbestleistung über 400 Meter (47,99 Sekunden) für Aufsehen gesorgt.
Auch Amadeus Gräber von Eintracht Frankfurt liegt als Dreizehnter mit 5.766 Punkten weiter im Feld der etablierten Zehnkämpfer. Im Diskus warf der Jüngste des deutschen Trios 43,44 Meter.
Drei Disziplinen bis zur Entscheidung
Der Stabhochsprung stand am späten Nachmittag an, gefolgt vom Speerwurf ab 19.35 Uhr und dem finalen 1.500-Meter-Lauf um 22.10 Uhr. Neugebauers Saisonbestleistung liegt bei 8.755 Punkten, sein deutscher Rekord aus dem Vorjahr bei 8.961 Zählern. Um in Birmingham Gold zu holen, muss er die drei letzten Übungen ohne größeren Einbruch überstehen - Tesselaar und Skotheim gelten in Speerwurf und 1.500 Metern nicht als überlegen. Kaul dagegen kann in den Schlussdisziplinen noch nach vorne rücken.