Der Stabhochsprung im EM-Zehnkampf von Birmingham hat sich am Donnerstagnachmittag zu einer Farce entwickelt. Zunächst legten die Kampfrichter die Latte auf 4,70 statt der geforderten 4,80 Meter auf, sieben Athleten sprangen über die falsche Höhe und mussten nachsitzen. Als der führende Weltmeister Leo Neugebauer wiederholte, hatten die Ausrichter erneut die falschen Ständereinstellungen gewählt. Trotz des Chaos verteidigt der 26-Jährige seinen Vorsprung: Nach acht von zehn Disziplinen führt er mit 7.181 Punkten und liegt 248 Zähler vor dem Norweger Sander Skotheim.

Wie wir am Nachmittag berichteten, hatte Neugebauer den Meisterschaftsrekord im Diskuswurf pulverisiert und war mit einem Polster in den Stabhochsprung gegangen. Doch bei rund 30 Grad und einer Wettkampfdauer von mehr als einer Stunde verrutschten den Offiziellen im Alexander Stadium gleich zwei Details. Betroffen waren neben Neugebauer und dem Frankfurter Amadeus Gräber auch der Franzose Makenson Gletty sowie die Podestkonkurrenten Tesselaar und Skotheim, wie sport1.de und die Badische Zeitung berichten.

Es war so ein Durcheinander da unten. So etwas habe ich noch nie erlebt, das war echt verrückt.
- Leo Neugebauer, laut sport1.de

Nach dem ersten Fehler mussten die betroffenen Springer die 4,80 Meter erneut angehen. Für Neugebauer folgte die nächste Panne: Beim Wiederholungsversuch war die Tiefe der Stabhochsprungständer zum Einstichkasten nicht korrekt eingestellt. Der Weltmeister riss dreimal, worauf ihm die Jury nach einem Protest der Trainer einen vierten Versuch unter Vorbehalt zubilligte. Diesen nutzte er, kam auch über 4,90 Meter im ersten Versuch und scheiterte erst an 5,00 Metern. Niklas Kaul meisterte 4,90 Meter als Saisonbestleistung, Gräber schaffte im vierten Anlauf sogar 5,10 Meter.

Kaul auf Rang vier vor den Schlussdisziplinen

Im Klassement rückt Niklas Kaul auf Platz vier vor. Der Weltmeister von 2019 hat 6.823 Punkte gesammelt und liegt nur 72 Zähler hinter dem drittplatzierten Tesselaar (6.895) und 110 Punkte hinter Skotheim. Gräber ist Siebter mit 6.707 Zählern. Kaul beklagte die Bedingungen: „Es war schon hart, mehr als fünf Stunden in der Sonne zu sein“, sagte der Mainzer laut leichtathletik.de.

Um 19.35 Uhr beginnt der Speerwurf, um 22.10 Uhr fällt im 1.500-Meter-Lauf die Entscheidung um Gold. In beiden Disziplinen gilt Kaul als einer der Stärksten im Feld, im Speer war er lange deutscher Rekordhalter, den 1.500er absolviert er regelmäßig unter 4:20 Minuten. Neugebauer hingegen wirft solide, läuft die 1.500 Meter aber deutlich langsamer. Sein Polster auf Kaul beträgt vor den beiden letzten Übungen 358 Punkte, was einem Rückstand von rund 20 Sekunden über die Stadionrunde entspricht. Für Bronze käme es bei Kaul auf einen guten Speerwurf und einen sehr schnellen 1.500er an.