Leo Neugebauer geht als Führender in den zweiten Zehnkampf-Tag der Leichtathletik-EM in Birmingham. Der Weltmeister aus Stuttgart steht nach fünf Disziplinen bei 4.483 Punkten und liegt 71 Zähler vor dem Niederländer Jeff Tesselaar sowie 101 Punkte vor dem Norweger Sander Skotheim. Wie wir am Morgen im Vorbericht schrieben, war Gold das ausgegebene Ziel - nach Tag eins liegt es in Reichweite, aber der Wettkampf ist offen.

Herzstück des Auftakts war das Kugelstoßen. Neugebauer schleuderte die Kugel auf 17,13 Meter - Meisterschaftsrekord im Zehnkampf. „Neugebauer baut mit der Kugel seine Führung aus“, meldete die Sportschau. Zuvor hatte der 26-Jährige die 100 Meter in 10,90 Sekunden absolviert und im Weitsprung 7,82 Meter erreicht. Beim Hochsprung war bei 1,99 Metern Schluss, ein Zentimeter unter Kaul.

Der 400-Meter-Lauf zum Tagesabschluss geriet zum Wackler. Neugebauer kam nach 48,81 Sekunden ins Ziel, in seinem Lauf reichte das nur zu Platz acht. Der Vorsprung schmolz, blieb aber intakt. Titelverteidiger Johannes Erm aus Estland folgt derweil erst auf Rang vier, die Dänen und Franzosen dahinter.

Ich glaube, ich habe ganz lang mit mir gehadert nach diesen großen Erfolgen.
- Niklas Kaul in der Sportschau

Kaul mit vier Saisonbestleistungen

Niklas Kaul, 2022 in München zuletzt Europameister und seither auf Formsuche, lieferte den besten deutschen Zehnkampf-Tag seit langem. Der 28-Jährige übersprang 2,02 Meter im Hochsprung - Saisonbestleistung - und lief die 400 Meter in 47,99 Sekunden, nach eigener Angabe die zweitschnellste Zeit seiner Karriere. Auch im Kugelstoßen und über 100 Meter markierte er persönliche Bestleistungen der Saison. Mit 4.214 Punkten liegt Kaul auf Rang sechs, im Medaillenkampf hängt er 269 Zähler hinter Neugebauer und 168 hinter Tesselaar.

Amadeus Gräber, der 21-jährige Debütant aus Frankfurt, hielt sich achtbar. Über 100 Meter lief er in 10,79 Sekunden die schnellste deutsche Zeit im Feld, seine 400-Meter-Marke von 48,31 Sekunden war persönliche Bestleistung. Nach Tag eins steht er mit 4.150 Punkten auf Position dreizehn - solider EM-Einstand, aber außerhalb der Medaillenränge.

Donnerstag entscheidet über die Medaillen

Am Donnerstag geht es ab dem späten Vormittag mit den 110 Meter Hürden weiter, es folgen Diskuswurf, Stabhochsprung, Speerwurf und um 22.10 Uhr die 1500 Meter, die traditionell über die Medaillen entscheiden. Der Speerwurf zählt zu Neugebauers stärksten Disziplinen, in Götzis hatte er im Frühjahr über 65 Meter geworfen. Die 1500 Meter sind seine wunde Stelle - eine schwache Runde kann den knappen Vorsprung auf Tesselaar und Skotheim aufzehren. Das ZDF überträgt Tag zwei, Eurosport zeigt den kompletten Wettkampf.