Das Metzinger Robotikunternehmen Neura Robotics hat in einer Series-C-Runde bis zu 1,4 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Es ist die größte Finanzierungsrunde, die je ein deutsches Startup vorweisen kann, und nach Angaben des Unternehmens auch die größte für eine Full-Stack-Robotikfirma weltweit. Zu den Investoren zählen Amazon, Nvidia, Qualcomm, Bosch, Schaeffler, die Europäische Investitionsbank sowie die Kryptoplattform Tether. Die Bewertung des 2019 gegründeten Unternehmens steigt damit auf rund sieben Milliarden Dollar.

Mit dem frischen Kapital will Gründer und Vorstandschef David Reger die Serienproduktion humanoider Roboter hochfahren. Bis 2030 sollen jährlich mehrere Millionen Einheiten vom Band laufen, wie aus Mitteilungen des Unternehmens hervorgeht. Parallel baut Neura die hauseigene Plattform „Neuraverse“ aus, über die Roboter Fähigkeiten und Trainingsdaten austauschen sollen, sowie die sogenannten „NEURA Gyms“, in denen Maschinen mit realen Sensordaten und Simulationen trainiert werden. Den Auftragsbestand beziffert das Unternehmen auf mehr als eine Milliarde Dollar.

Die Zukunft der KI wird sich nicht auf Bildschirmen abspielen. Sie wird sich bewegen, interagieren und an unserer Seite arbeiten.
- David Reger, Vorstandschef Neura Robotics

Deutsche Antwort auf Tesla und Figure

Reger positioniert die Runde als Versuch, im Rennen um Physical AI mit den US- und China-Konkurrenten gleichzuziehen. „Mit dieser Finanzierung sichert Neura eine führende Position im globalen Robotik-Rennen - auf Augenhöhe mit den Besten aus den USA und China“, erklärte er nach Angaben von t-online zur Mitteilung am Mittwoch. Die Tatsache, dass mit Bosch und Schaeffler zwei deutsche Industriegiganten Geld nachschießen, und mit der EIB auch öffentliche Mittel fließen, lässt sich als strategische Wette auf einen heimischen Champion lesen, der dem Boston-Dynamics-Eigner Hyundai, Tesla Optimus oder dem KI-Startup Figure Paroli bieten soll.

Wie das Handelsblatt berichtet, ist die tatsächliche Auszahlung an das Erreichen bestimmter Meilensteine geknüpft, die das Unternehmen nicht offenlegt. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass Robotik-Startups weltweit allein in den ersten fünfeinhalb Monaten dieses Jahres rund 55,8 Milliarden Dollar einsammelten - fast doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum 2025. In München arbeitet der Wettbewerber Agile Robots laut t3n parallel an einer Runde über 800 Millionen Dollar mit SoftBank als Ankerinvestor.

Trainingszentrum mit der TU München

Operativ will Neura die Kapazitäten in Metzingen ausbauen und gemeinsam mit der Technischen Universität München eine Trainingsanlage für humanoide Maschinen eröffnen. Reger selbst beschrieb in einer Mitteilung die Vision so, dass Künstliche Intelligenz „sich bewegen, interagieren, lernen und gemeinsam mit den Menschen in der realen Welt arbeiten“ werde. Ob diese Vision den Sprung von der Pressemitteilung in die Massenproduktion schafft, dürfte die kommenden Monate prägen. Bis dahin ist klar: Eine größere Finanzierungsrunde hat ein deutsches Startup noch nicht gestemmt.