Rund 3.000 Veranstaltungen in allen 50 Bundesstaaten: Unter dem Motto „No Kings: Vote Early“ ruft die US-Protestbewegung an diesem Samstag landesweit zu Kundgebungen, Nachbarschaftsfesten, Grill-Treffen und organisierten Gängen zu den Wahllokalen auf. Anders als bei den drei vorherigen „No Kings“-Aktionstagen seit Juni 2025 geht es diesmal nicht primär um die Konfrontation mit Donald Trump, sondern um Mobilisierung für die Zwischenwahlen am 3. November.

Hinter dem Aufruf steht ein breites Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und progressiven Gruppen, darunter die American Civil Liberties Union, die American Federation of Teachers, die League of Women Voters, MoveOn und Indivisible. Die Organisatoren beschreiben den Tag als überparteilich: Teilnehmer sollen ihren Wählerstatus prüfen, Wahlzettel ausfüllen und sich auf lokale Wahlrechts-Workshops vorbereiten. In mehreren Staaten - darunter Georgia seit dem 13. Oktober - ist die vorzeitige Stimmabgabe bereits möglich; in Texas startet sie am 19. Oktober.

Die ersten drei „No Kings“-Aktionen sollten eine Botschaft senden. Mit dem Botschaft-Senden sind wir fertig.
- Ezra Levin, Mitgründer von Indivisible, gegenüber Raw Story

Levin markiert damit einen strategischen Wechsel. Nachdem im März laut Organisatoren rund acht Millionen Menschen in allen Bundesstaaten gegen die Trump-Regierung protestiert hatten, wie zdfheute berichtete, verschiebt sich der Fokus nun auf die konkrete Wahlorganisation. Prominente Unterstützer gewinnen die Veranstalter dabei nicht nur aus dem linken Spektrum: Der frühere republikanische Abgeordnete Adam Kinzinger und der konservative Publizist Bill Kristol riefen zur Teilnahme auf. „Amerikaner wachen auf, und der Boden unter dieser Wahl bewegt sich“, sagte Kinzinger laut Raw Story.

Trump unter Druck, Weißes Haus kontert

Die Mobilisierung fällt in eine Phase, in der die Umfragewerte des US-Präsidenten unter Druck geraten sind. Nach dem Umfragedurchschnitt der New York Times liegt Trumps Zustimmung bei 37 Prozent, die Ablehnung bei 60 Prozent - deutliche Verschlechterungen gegenüber dem Jahresbeginn, wie Raw Story unter Verweis auf das NYT-Polling berichtet. Das Weiße Haus wies die Aktion zurück: Sprecherin Lauren Bis erklärte, dass „No Kings“-Organisatoren über Wahlen sprächen, sei Beweis dafür, dass sie ihren Namen ändern sollten.

Die Hersfelder Zeitung meldet unter Berufung auf die Organisatoren, dass die Aktionen bewusst dezentral und niederschwellig gehalten werden. Statt großer Hauptkundgebungen setzen die Veranstalter auf lokale Formate - vom Online-Treffen über „Paws to the Polls“-Hundeläufe in Golden, Colorado, bis zu einem „Konzert für die Demokratie“ in Everett im Bundesstaat Washington. Berichte aus Arlington, Virginia, zeigten Demonstrationen am Memorial Circle; weitere Schwerpunkte lagen in Washington, Dallas, Palm Beach und New York.

Ob sich die Mobilisierung in Stimmen übersetzt, entscheidet sich am 3. November. Dann wählen die US-Amerikaner über die Zusammensetzung des Repräsentantenhauses und ein Drittel des Senats. Für Trumps Agenda sind die Mehrheiten im Kongress entscheidend, für die Opposition sind es die ersten belastbaren Signale, ob sich die Protestwelle in Wahlergebnisse übersetzen lässt.