Christopher Nolans „Die Odyssee“ ist am 16. Juli in den deutschen Kinos gestartet und hat mit rund 530.000 verkauften Tickets am ersten Wochenende die zweitbeste Eröffnung des Jahres in Deutschland hingelegt. Zugleich fährt die Homer-Adaption weltweit den erfolgreichsten Kinostart in Nolans Karriere ein und verdrängt damit „The Dark Knight Rises“ aus dem Jahr 2012 von der Spitze seiner eigenen Bestenliste.

Am ersten Wochenende spielte der 172-minütige Film weltweit 264 Millionen US-Dollar ein, wie Filmstarts unter Berufung auf die Startdaten berichtet. In Nordamerika entfielen davon 124,5 Millionen Dollar, deutlich über den Universal-Erwartungen von 85 bis 100 Millionen. Damit rangiert der Film hinter dem „Super Mario Galaxy Film“ und „Toy Story 5“ auf Platz drei der weltweiten Kinostarts 2026, so eine Analyse der Abendzeitung München. Nolans bisheriger Rekord von 249 Millionen Dollar mit „The Dark Knight Rises“ ist damit gefallen.

In Deutschland verkaufte der Film schon am Starttag rund 100.000 Kinotickets und spielte 1,3 Millionen Euro an 668 Standorten ein, wie das Branchenportal Kino.de unter Verweis auf die Zahlen des Marktbeobachters „The Spot“ meldet. Bis Sonntagabend addierten sich die Verkäufe auf etwa 530.000 Tickets. Für die deutsche Kinowirtschaft ist es zugleich das größte IMAX-Startwochenende, das die Bundesrepublik je gesehen hat. Angesichts der fast dreistündigen Laufzeit und der Freigabe ab 16 Jahren gilt der Start als besonders bemerkenswert.

Zwischen Höchstlob und harter Kritik

Bei den Filmkritiken klaffen die Urteile auseinander. Marcus Stiglegger vergibt in seiner epd-Film-Rezension vom 15. Juli die volle Punktzahl und nennt „Die Odyssee“ Nolans bislang gelungenste Arbeit - eine zeitgemäße Neulesung des antiken Ursprungstexts, in der der Regisseur das Göttliche und Übernatürliche bewusst zurücknehme und stattdessen die tragische Dimension menschlicher Schuld und Versöhnung ins Zentrum stelle. Matt Damon spielt Odysseus, Anne Hathaway seine Frau Penelope, Tom Holland deren Sohn Telemachos. Robert Pattinson übernimmt die Rolle des Freiers Antinoos, Charlize Theron gibt Kalypso, Zendaya die Göttin Athene.

„Die Odyssee“ offenbart Nolans künstlerische Grenzen.
- Sassan Niasseri, Rolling Stone

Die Rolling-Stone-Kritik von Sassan Niasseri vom 16. Juli fällt deutlich kühler aus. Damons Odysseus wirke unbeteiligt, dem Film fehle die Charisma-Ebene für einen tragenden Helden, und der Stoff verlange dem Publikum Vorwissen über Homers Epen ab, das ohne Vorbereitung nicht zu bekommen sei. Auch die NZZ resümiert unter der Zeile, so viel Kritik habe vorab selten ein Blockbuster einstecken müssen - kommt aber zu einem eigenwillig-positiven Fazit über einen „erstaunlich zeitgemäßen“ Odysseus, der anders ausfalle, als die lautesten Vorab-Kritiker prophezeit hätten.

Nolan hat den Film mit einem geschätzten Budget von 250 Millionen Dollar produziert und dabei erneut auf analoges Filmmaterial gesetzt: Kameramann Hoyte Van Hoytema drehte primär auf 70-Millimeter-Film und mit IMAX-Kameras. Komponist Ludwig Göransson verwendet für die Musik gezielt bronzezeitliche Klangkörper, um den historischen Rahmen akustisch zu grundieren. Universal Pictures vertreibt die Adaption weltweit; produziert wurde sie über Nolans eigene Firma Syncopy.