Christopher Nolans „Die Odyssee“ hat die deutschen Kinocharts nach seinem Start am 16. Juli aus dem Stand übernommen. Am ersten Tag verkaufte die Homer-Adaption mit Matt Damon in der Hauptrolle rund 100.000 Tickets und spielte in 668 Kinos 1,3 Millionen Euro ein, wie kino.de unter Berufung auf die aktuellen Auswertungen berichtet. Für das gesamte Startwochenende zeichnet sich ein Ergebnis von etwa 500.000 verkauften Karten ab. Damit läge Nolans erstes Original-Projekt seit „Oppenheimer“ ungefähr auf dem Niveau des Physiker-Dramas von 2023.

Der Andrang ist so massiv, dass zahlreiche Häuser Sondervorstellungen ab acht Uhr morgens eingerichtet haben; einige Ticket-Server brachen unter der Nachfrage zeitweise zusammen. Auf Rotten Tomatoes steht die Kritikerbewertung nach über 100 Rezensionen bei 98 Prozent. Es ist der höchste Wert, den ein Nolan-Film je erreicht hat.

Die deutschsprachige Kritik reagiert überwiegend enthusiastisch. Christoph Petersen empfiehlt den Film bei Filmstarts mit 4,5 von 5 Sternen und legt Publikum die weite Anreise in ein hochwertig ausgestattetes Kino ausdrücklich nahe. Er verweist auf ein technisches Alleinstellungsmerkmal: „Die Odyssee“ ist laut Petersen die erste durchgehend im 15-Perf-70-mm-IMAX-Format gedrehte Spielfilmproduktion der Kinogeschichte. Für die extrem lauten Kameras habe die Crew massive Schallschutzverkleidungen bauen müssen, dazu ein Spiegelsystem, damit die Darstellenden im Dialog überhaupt Blickkontakt halten konnten.

Wenn es sich in diesem Jahr lohnt, für einen Film 50, 100 oder gar 150 Kilometer zu fahren, um ihn in bestmöglicher Qualität zu sehen, dann ist es auf jeden Fall Christopher Nolans Irrfahrt-Epos.
- Christoph Petersen, Filmstarts

Nolans Ansatz bricht mit dem üblichen Blockbuster-Rezept. Statt spektakulärer Monsterschauwerte konzentriert sich der 172-minütige Film laut ms-aktuell.de auf die Folgen des Trojanischen Kriegs, auf Schuld, Treue und die Rückkehr in ein Leben, das nicht mehr existiert. Parallel zum Odysseus-Strang läuft eine zweite Erzählebene in Ithaka, wo Penelope, gespielt von Anne Hathaway, und Sohn Telemachos, gespielt von Tom Holland, gegen die Freier um das leere Königshaus kämpfen. Nolans Stammkameramann Hoyte van Hoytema hat das Konzept von Beginn an auf das Großformat zugeschnitten, nicht nachträglich für IMAX aufbereitet.

Nicht jeder folgt Nolan bis zum Ende

Die Begeisterung ist nicht ungeteilt. epd Film nennt „Die Odyssee“ eine zeitgemäße Adaption eines Urmythos, während andere deutsche Kritiker die Fragmentierung und intellektuelle Kühle als Zumutung beschreiben. Filmstarts warnt selbst inmitten der Empfehlung, ein „nicht ganz kleiner Teil des Publikums“ könne an der streckenweise kontemplativen Erzählweise abprallen. Wer mit den mythologischen Grundlagen weniger vertraut sei, müsse einiges an Vorwissen mitbringen; Nolan erläutere sie nicht.

Wirtschaftlich verzeichnet der Film ein Produktionsbudget von 250 Millionen US-Dollar. Matt Damon hungerte sich für die Rolle auf 76 Kilogramm herunter und ließ sich einen dichten Vollbart wachsen; für den Zyklopen Polyphem baute die Produktion eine 18 Meter hohe praktische Puppe. Universal Pictures und Nolans Produktionsfirma Syncopy setzen mit dem Startwochenende ein deutliches Zeichen gegen die These, hochbudgetierte Originalstoffe würden im Kinojahr 2026 nicht mehr funktionieren. Das digitale Album mit den 23 Musikstücken von Ludwig Göransson erschien am 17. Juli über Universals Label Back Lot Music, zeitgleich mit dem regulären Start in den USA.