Sat.1 hat am Freitagabend „Oppenheimer“ ins Hauptabendprogramm genommen - exakt ein Jahr nach der deutschen Free-TV-Premiere auf ProSieben. Christopher Nolans dreistündiges Biopic über den Vater der Atombombe lief ab 20.15 Uhr und blockte den Hauptabendplatz des Senders am Tag der Deutschen Einheit, wie das Branchenportal ms-aktuell berichtet. Die erste Ausstrahlung im vergangenen Oktober hatte dem Schwestersender ProSieben laut Portal 1,10 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer gebracht, 450.000 davon in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen - ein Marktanteil von 12,4 Prozent in dieser Gruppe.

Der Zeitpunkt der Wiederholung fällt mit einem Rekord zusammen, der in Hollywood für Aufsehen sorgt. Nolans jüngster Film „Die Odyssee“ mit Matt Damon als Odysseus und Anne Hathaway als Penelope liegt auf Rotten Tomatoes bei 96 Prozent der Kritikerstimmen; nach einer späteren Auswertung aus knapp 170 Besprechungen stieg der Wert auf 98 Prozent. Damit hat der Antiken-Epos die bisherige Bestmarke des Regisseurs - „Memento“ und „The Dark Knight“ lagen jeweils bei 94 Prozent - überboten. Auch beim Publikums-Score setzte „Die Odyssee“ mit 97 Prozent einen Höchstwert für Nolans Filmografie, wie Screen Rant unter Berufung auf das Portal berichtet.

In Deutschland hat „Die Odyssee“ seit dem Kinostart am 16. Juli bereits 3,848 Millionen Besucherinnen und Besucher in die Kinos gebracht und 59,4 Millionen Euro eingespielt, meldet der Deutsche Filmverband HDF Kino. Für das Erreichen der Drei-Millionen-Marke brauchte das IMAX-70mm-Projekt nur rund einen Monat; Nolan erhält damit zum vierten Mal die Goldene Leinwand, nach „Inception“, „The Dark Knight Rises“ und „Oppenheimer“.

Zwei Nolan-Filme im Dialog

Die Doppelsendung des Wochenendes verzahnt zwei Werke, die enger zusammenhängen, als es auf den ersten Blick scheint. „Oppenheimer“ hatte 2023 weltweit 976 Millionen US-Dollar eingespielt und bei der Oscar-Verleihung sieben Trophäen abgeräumt, darunter die Preise für den besten Film, die beste Regie und den besten Hauptdarsteller für Cillian Murphy. Mit „Die Odyssee“ dreht Nolan nun erstmals komplett in IMAX-70mm und greift mit dem Trojanischen Krieg einen Stoff auf, den der Regisseur in Interviews mehrfach als sein Jugendprojekt bezeichnet hat.

Für die ProSiebenSat.1-Gruppe ist das Timing durchdacht. „Oppenheimer“ ist einer der wenigen Filme der jüngeren Kinogeschichte, der ein dreistündiges Erzählformat im Hauptabend tragen kann. Die Sender platzieren das Werk bevorzugt an Feiertagen, an denen das Publikum später zu Bett geht und das Programm länger als bis 23 Uhr laufen kann. Sat.1 veranschlagt die Spielzeit mit Werbepausen auf 220 Minuten; der Film lief bis fast fünf vor Mitternacht.

Nolans Marktwert hat sich seit „Oppenheimer“ noch einmal erhöht. Der Regisseur verfolgt mit Universal und IMAX ein Modell, bei dem der Kinoauswertung der absolute Vorrang gegeben wird; eine Freigabe für Streaming erfolgt erst nach Monaten. Dass die „Odyssee“ trotz 173 Minuten Laufzeit und R-Rating in den USA das Publikum in die Kinos zurückholt, lesen Branchenbeobachter als Bestätigung dieser Linie. In Deutschland wird der Film die Marke von vier Millionen Besuchern voraussichtlich in den kommenden Wochen überspringen - und damit zum zweitstärksten Nolan-Werk hinter „The Dark Knight Rises“ aufschließen.