Norwegen steht erstmals seit 1998 wieder in einem WM-Achtelfinale. Im Sechzehntelfinale am Dienstagabend setzte sich das Team von Trainer Ståle Solbakken vor 73.000 Zuschauern im AT&T Stadium in Arlington mit 2:1 (1:0) gegen die Elfenbeinküste durch. Antonio Nusa von RB Leipzig brachte die Skandinavier in der 39. Minute mit einem geschlenzten Linksschuss aus dem Halbfeld in Führung - es war der erste norwegische Treffer in einer WM-K.o.-Phase seit 1938. Erling Haaland traf in der 86. Minute zum Endstand, nachdem Amad Diallo (74.) für die Ivorer ausgeglichen hatte.
Solbakken hatte vor der Partie die XXL-Rotation aus dem letzten Gruppenspiel verteidigt. Beim 1:4 gegen Frankreich hatte er zehn Wechsel vorgenommen und Haaland sowie Martin Ødegaard auf der Bank gelassen. In Dallas kehrte die Stammelf zurück - und brauchte dennoch fast eine Stunde, um den ivorischen Pressing-Block zu lösen. Ghislain Konan und Nicolas Pépé hatten in der ersten halben Stunde zwei gute Gelegenheiten zur ivorischen Führung, doch Torhüter Ørjan Nyland blieb wachsam. Nusas Treffer kurz vor der Pause - eine Einzelaktion über den linken Flügel mit zwei Finten und Abschluss ins lange Eck - drehte den Spielverlauf.
Die Antwort der Elfenbeinküste kam in der zweiten Halbzeit. Diallo, der Premier-League-Profi von Manchester United, zog in der 74. Minute aus der eigenen Hälfte los, ließ drei Gegenspieler stehen und schoss ins kurze Eck. Vier Minuten später hätte das Spiel kippen können: Schjelderup foulte Pépé im Strafraum, doch Schiedsrichter Jesús Valenzuela aus Venezuela ließ weiterlaufen. Die Sportschau-Regelexperten kritisierten die Entscheidung. Faé, der Trainer der Ivorer, sagte gegenüber Sport1 anschließend, sein Team habe „einen Elfmeter verdient gehabt“, wollte aber den Schiedsrichter „nicht für die Niederlage verantwortlich machen“.
Bergs Vorlage, Haalands Erlösung
Den Siegtreffer leitete Patrick Berg aus dem zentralen Mittelfeld ein. Der Bodø/Glimt-Profi spielte einen Doppelpass mit Sørloth, legte aus zwölf Metern quer - Haaland schob aus fünf Metern ins leere Tor. „Einer der einfachsten Tore meiner Länderspielkarriere“, sagte Haaland später laut Sport.de. Für den Manchester-City-Stürmer war es das fünfte Turniertor und sein 25. Treffer in 13 Länderspielen in Folge - eine Quote, die ihn im Rennen um den Goldenen Schuh weiter führt.
Wir sind so gut vorbereitet, wie wir es zu diesem Zeitpunkt des Turniers sein können.
Begleitet wurde der norwegische Auftritt von einer skurrilen Episode am Flughafen: US-Polizisten hatten die Skandinavier nach der Landung mit der „Viking Row“ empfangen, dem viralen Ruder-Jubel der norwegischen Spieler. Solbakken nahm es trocken: „Ich saß auf der falschen Seite des Flugzeugs, aber das ist schon eine surreale Sache“, sagte er auf der Pressekonferenz laut Tagesspiegel.
Für die Elfenbeinküste endet die vierte WM-Teilnahme nach dem ersten K.o.-Spiel. Faés Team hatte in Gruppe E hinter Deutschland und vor Ecuador und Curaçao überzeugt - im direkten Vergleich mit einem europäischen Topfavoriten fehlte aber die Effizienz. Yan Diomande, der Leipziger Flügelspieler, dem ein Wechsel zu Paris Saint-Germain nachgesagt wird, kam nicht ins Spiel. Norwegen trifft am Sonntag um 22:00 Uhr MESZ im MetLife Stadium in East Rutherford auf Brasilien, das am Montag in Houston mit 2:1 gegen Japan gewonnen hatte. Carlo Ancelottis Selecao geht als Favorit ins Duell - Haaland und Nusa gegen Vinícius und Raphinha verspricht das Achtelfinale-Highlight der nördlichen Tabellenhälfte.