Linda Nosková hat auf dem Centre Court in Wimbledon ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen. Die 21-jährige Tschechin setzte sich am Samstagabend im rein tschechischen Endspiel gegen ihre Landsfrau Karolína Muchová mit 6:2, 5:7, 6:3 durch. Wie im Vorbericht angekündigt, standen sich damit erstmals seit Venus und Serena Williams 2009 zwei Spielerinnen aus demselben Land in einem Wimbledon-Finale gegenüber, und erstmals in der Profi-Ära überhaupt zwei Tschechinnen bei einem Grand-Slam-Turnier.
Was zunächst wie ein glatter Sieg aussah, wurde zur Nervenschlacht. Nosková holte den ersten Satz nach 31 Minuten und führte im zweiten Durchgang mit 5:2. Bei Aufschlag Muchová hatte sie drei Matchbälle, einen weiteren beim Stand von 5:4 im eigenen Aufschlagspiel, den fünften warf sie mit einem Doppelfehler weg. Muchová überstand die Serie, holte den Satz 7:5 und gewann fünf Spiele am Stück. Nach zwei Stunden und 28 Minuten verwandelte Nosková im dritten Satz ihren sechsten Matchball.
„Das fühlt sich unglaublich an. Die letzten Wochen waren körperlich, physisch und emotional so anstrengend.“
Für den Titel erhält Nosková rund 4,22 Millionen Euro Preisgeld und klettert in der Weltrangliste auf Position sieben. Muchová bekommt als Finalistin 2,11 Millionen Euro und rückt auf Rang sechs vor. Die 29-Jährige stand zum ersten Mal in einem Wimbledon-Endspiel und war damit die älteste Debütantin dort seit 1998. Auf ihrem Weg schlug sie mit Barbora Krejčíková, Naomi Osaka und Coco Gauff drei Grand-Slam-Siegerinnen; gegen Gauff wehrte sie im Halbfinale einen Matchball ab.
Dritter Wimbledon-Sieg für Tschechien in vier Jahren
Nosková ist die dritte Tschechin, die den Rasen-Klassiker in den vergangenen vier Jahren gewinnt, nach Markéta Vondroušová 2023 und Barbora Krejčíková 2024. Dazwischen holte sich 2025 Iga Świątek den Titel. Für die 21-Jährige, die vor Wimbledon bereits die Generalprobe in Berlin im Einzel und im Doppel gewonnen hatte, ist es die Krönung einer starken Rasensaison mit 19 Siegen auf dieser Unterlage - der höchsten Ausbeute auf der WTA-Tour. Zugleich ist sie die jüngste Wimbledon-Siegerin seit Petra Kvitová, die 2011 ebenfalls mit 21 Jahren triumphiert hatte.
„Es tut weh und ich bin enttäuscht. Aber du hast dir den Sieg verdient“, sagte Muchová bei der Siegerehrung an ihre Landsfrau gerichtet, wie ZDFheute meldet. Nosková widmete den Erfolg ihrer vor zwei Jahren verstorbenen Mutter.
Zweites Duell, umgekehrte Vorzeichen
Für Nosková und Muchová war es das zweite Aufeinandertreffen auf der Profi-Tour. Bei den US Open 2025 hatte die Ältere noch die Oberhand behalten. Ihre gemeinsame Geschichte reicht weiter zurück: Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris traten sie im Damendoppel an, gewannen zwei Runden und schieden erst im Viertelfinale aus. Am Samstagabend lag zwischen ihnen die Trophäe, die Barbara Krejčíková vor einem Jahr in denselben Händen gehalten hatte.