Linda Nosková hat am Samstagnachmittag in Wimbledon ihren ersten Grand-Slam-Titel geholt. Die 21-jährige Tschechin bezwang ihre Landsfrau Karolína Muchová auf dem Centre Court mit 6:2, 5:7, 6:3 und beendete ein Match, das nach 31 Minuten Anfangsdominanz zwischenzeitlich vollständig aus dem Ruder lief. Als Nosková im zweiten Satz beim Stand von 5:2 zum Aufschlag antrat und binnen zwölf Punkten fünf Matchbälle vergab, wackelte der Titel, den ihr am Ende erst der dritte Satz brachte. Nach zwei Stunden 28 Minuten wurde sie zur jüngsten Wimbledon-Siegerin seit 15 Jahren.
Der erste Satz war reine Formsache gewesen. In 31 Minuten spielte Nosková ihre Landsfrau schwindelig, Muchová konnte in ihrem eigenen Aufschlagspiel beim 2:5 vier Satzbälle abwehren, verlor den Satz dann trotzdem im nächsten Anlauf. Der zweite Satz kippte, als Nosková beim Stand von 5:2 zum Sieg servieren sollte und den Faden verlor. Fünf Matchbälle vergab sie in dieser Partie, wie die Sportschau bilanziert, Muchová glich aus, drehte das Break und gewann den Satz mit 7:5. Erst im dritten Durchgang stabilisierte sich Nosková und zog vom 3:3 an mit drei Games in Folge zum Titel.
Das fühlt sich unglaublich an. Die letzten Wochen waren körperlich, physisch und emotional so anstrengend.
Rede an die verstorbene Mutter
Bei der Siegerehrung wandte sich Nosková in einer emotionalen Rede an ihre 2024 verstorbene Mutter Ivana. „Es gibt noch eine Person, der ich danken möchte, meine Mutter. Ohne sie würde ich heute nicht hier stehen“, zitiert Tennis365 die frisch gebackene Wimbledon-Siegerin. Muchová, die als Nummer zehn gesetzt in ihr erstes Wimbledon-Finale gekommen war, gratulierte auf dem Platz mit einer Formulierung, die im Netz schnell die Runde machte: „Glückwunsch an meine Ex-Freundin. Es tut weh und ich bin enttäuscht. Aber du hast dir den Sieg verdient“, so die Sportschau.
Für die 29-jährige Muchová war es das zweite Grand-Slam-Endspiel nach der French-Open-Finalniederlage 2023 gegen Iga Świątek. Wieder blieb sie ohne Titel, wird in der Weltrangliste am Montag aber auf Rang sechs klettern. Nosková springt auf Position sieben, den bisher höchsten Wert ihrer Karriere. Das Preisgeld für die Siegerin beträgt gut drei Millionen Pfund.
Tschechische Serie in London
Es ist der dritte Wimbledon-Titel einer Tschechin binnen vier Jahren. 2023 gewann Markéta Vondroušová als erste ungesetzte Spielerin der Open Era, ein Jahr später folgte Barbora Krejčíková. Insgesamt stellen tschechische Spielerinnen mittlerweile acht Namen in den Top 50 der Weltrangliste, ein Anteil, den außer den USA kein anderes Land erreicht. Nosková führt das im Sportschau-Interview auf das Netz der Tennisakademien in ihrer Heimat zurück, aufgebaut seit den Achtzigern durch den Verband.
Ihre Rasensaison hatte Nosková mit einem Turniersieg in Berlin begonnen, einem der Wimbledon-Vorbereitungsevents. Auf dem Weg ins Finale in London schaltete sie unter anderem die Ukrainerin Marta Kostjuk im Halbfinale aus. Muchová hatte am Donnerstag Coco Gauff im Match-Tiebreak nach 12:10 im dritten Satz besiegt und zuvor die Vorjahressiegerin Krejčíková, Naomi Osaka und weitere Grand-Slam-Championinnen aus dem Turnier geworfen. Am Ende reichte die schwerste Auslosungshälfte nicht: Zum Titel gehört der Match, in dem man selbst serviert.