Nvidia hat am Mittwochabend nach US-Börsenschluss die Erwartungen für sein zweites Geschäftsquartal deutlich übertroffen. Der Chipkonzern aus Santa Clara meldete einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar, wie das Handelsblatt und der Finanzdienst finanzen.net berichten. Analysten hatten im Konsens rund 92,3 Milliarden erwartet. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 2,22 Dollar, der Nettogewinn auf 59,7 Milliarden - beide Kennzahlen mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum.

Getrieben wird das Wachstum unverändert vom Data-Center-Geschäft. Die Sparte, in der Nvidia seine KI-Beschleuniger verkauft, setzte im Quartal 89 Milliarden Dollar um - deutlich über den 85,8 Milliarden, mit denen die Wall Street gerechnet hatte. Die Bruttomarge lag bei 75 Prozent.

Für das laufende dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz von 108 Milliarden Dollar plus/minus zwei Prozent in Aussicht. Auch dieser Ausblick übertrifft die Analystenerwartung von rund 104,5 Milliarden. Finanzchefin Colette Kress erklärte in der Telefonkonferenz, für das gesamte Fiskaljahr 2028 rechne Nvidia mit einem Umsatzwachstum von rund 70 Prozent - der Konsens der Analysten lag bei etwa 45 Prozent. Die Nachfrage beschleunige sich „selbst auf unserem Niveau“, sagte Kress.

Der Ausbau der KI-Infrastruktur läuft mit Volldampf.
- Jensen Huang, Nvidia-CEO, Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen

CEO Jensen Huang verwies auf den nächsten Produktzyklus. Der neue Beschleuniger Vera Rubin - Nachfolger der Blackwell-Architektur - sei „in vollem Umfang in Produktion“, die ersten Auslieferungen erfolgen im laufenden Quartal. Nvidia bewirbt Vera Rubin als speziell auf sogenannte agentische KI-Modelle zugeschnitten und verspricht bis zu zehnfach geringere Inferenzkosten pro Token gegenüber Blackwell.

Börsenreaktion und Analystenstimmen

An der Börse legte die Nvidia-Aktie im nachbörslichen Handel deutlich zu. Finanzmarktwelt.de berichtete am Donnerstagmorgen von einem Plus von rund fünf Prozent nach den ersten Konferenz-Aussagen zum 2028er-Ausblick. Bernstein-Analyst Stacy Rasgon hob sein Kursziel auf 400 Dollar und bezeichnete Nvidia als „Titanen“ der Branche, Goldman Sachs zog auf 300 Dollar nach. Jefferies-Analyst Blayne Curtis wagte die Prognose, Nvidia könne bis 2029 einen Jahresumsatz von einer Billion Dollar erreichen.

Trotz der Rekordzahlen bleiben zwei Fragezeichen. Für das vierte Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwartet Nvidia laut finanzmarktwelt.de einen zwischenzeitlichen Tiefpunkt bei der Bruttomarge zwischen 71 und 72 Prozent - Grund sind steigende Kosten für Speicherchips im Rubin-Ramp-up. Und das Chinageschäft bleibt eingeschränkt: Die US-Regierung hatte den Verkauf bestimmter Beschleuniger nach Peking zwar teilweise freigegeben, chinesische Behörden bremsen den Absatz aber weiterhin aus.