Nvidia drängt erstmals frontal in den Markt für Windows-PCs. Auf der Computex in Taipeh stellte Konzernchef Jensen Huang am Wochenende den „RTX Spark“ vor, einen Arm-basierten Superchip aus Grafik- und Hauptprozessor, der ab Herbst in Notebooks und Desktop-Rechnern führender Hersteller verbaut werden soll. Microsoft, Dell, HP, Asus, Lenovo und MSI haben sich bereits als Partner verpflichtet, wie CNBC und Euronews aus Taipeh berichten.

Damit greift Nvidia in eine Arena ein, die seit Jahrzehnten von Intel und AMD beherrscht wird - und zunehmend auch von Apple und Qualcomm. „Die größte Neuerfindung seit 40 Jahren“, sagte Huang über die neue PC-Plattform, wie Euronews aus der Keynote zitiert. Entwickelt wurde der Chip gemeinsam mit dem taiwanesischen Halbleiterspezialisten MediaTek. Über den Preis machte Nvidia bislang keine Angaben.

Der Markt nimmt die Botschaft ernst. Bloomberg ordnet den Vorstoß als direkten Angriff auf Intel ein, das in seinem Kerngeschäft seit Monaten an Tempo verliert. Arm-basierte Prozessoren - bisher vor allem in Smartphones und in Apples M-Serie verbaut - gewinnen im PC-Segment gegenüber der klassischen x86-Architektur an Boden. Das gesamte CPU-Geschäft entwickelt sich nach Bloomberg-Berechnungen zu einer 200-Milliarden-Dollar-Industrie, in der Nvidia bislang faktisch nicht vertreten war.

Vera-CPU fürs Rechenzentrum, Adobe baut Software um

Parallel kündigte Huang an, dass Nvidias hauseigene Rechenzentrums-CPU Vera nun in Vollproduktion sei und ab Herbst ausgeliefert werde. Sie soll, wie Euronews berichtet, KI-Agenten 1,8-mal schneller abarbeiten als bisherige Generationen und wird komplett flüssigkeitsgekühlt geliefert - ohne Lüfter und ohne sichtbare Schläuche. Adobe baut nach Angaben von Nvidia Photoshop und Premiere Pro für die neue Architektur um.

Compute is revenue. The more you buy, the more you make.
- Jensen Huang, Nvidia-CEO, auf der Computex

Hinter der Hardware-Offensive steht eine Erzählung, die Huang seit Monaten verfeinert: Künstliche Intelligenz sei nicht länger Forschung, sondern operativ einsetzbare Technologie. „Agentenbasierte und nutzbare KI ist heute angekommen“, sagte er in Taipeh laut Euronews. Den Vorwurf, KI vernichte Stellen in der Softwareentwicklung, wies er als „kompletten Unsinn“ zurück - die Branche stelle im Gegenteil mehr Ingenieure ein.

Rückenwind aus den Quartalszahlen

Wirtschaftlich kommt der Vorstoß zur richtigen Zeit. Ende Mai hatte Nvidia Rekordumsätze für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 gemeldet: 81,6 Milliarden Dollar Konzernerlös, ein Plus von 85 Prozent binnen Jahresfrist, davon 75,2 Milliarden aus dem Rechenzentrumsgeschäft, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Der Verwaltungsrat hatte die Quartalsdividende daraufhin von einem Cent auf 25 Cent erhöht und ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar freigegeben.

Ob Nvidia mit dem RTX-Spark-Chip auch im PC-Markt liefert, wird sich erst im Herbst zeigen. Intel und AMD haben für die kommenden Monate eigene KI-Beschleuniger angekündigt; Qualcomm versucht seit zwei Jahren, mit den Snapdragon-X-Chips Fuß zu fassen. Klar ist: Nvidia greift einen Markt an, den der Konzern bislang weitgehend gemieden hatte - und tut es zu einem Zeitpunkt, an dem die KI-getriebene Nachfrage die wichtigsten Konkurrenten unter Druck setzt.