Christopher Nolans „Die Odyssee“ ist seit dem 16. Juli in den deutschen Kinos, aber wer die vom Regisseur angepriesene bestmögliche Version sehen möchte, wird hierzulande nicht fündig. Der Film wurde vollständig auf analogen IMAX-Kameras im Bildformat 1.43:1 gedreht - und diese Version läuft weltweit in nur 41 Sälen. 25 stehen in den USA, neun in Kanada, drei in Großbritannien, dazu Einzelspielstätten in Australien, Belgien, Tschechien und Frankreich. In Deutschland: keine.

Netzwelt hatte bereits am 21. Juli aufgelistet, wo IMAX-70mm in Europa überhaupt funktioniert. Neben London und Manchester sind das Montpellier, Brüssel und Prag. Autor Luis Neumann Pérez schrieb in seiner Übersicht schlicht: „Kein Kino in der Bundesrepublik hat die spezielle Ausrüstung für das gigantische Bildformat.“ Die 15 deutschen IMAX-Standorte in Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt oder Leipzig zeigen den Film ausschließlich im digitalen IMAX-Format 1.90:1.

Wer die Reise nach Prag oder Brüssel dennoch plant, stößt auf ein anderes Problem: Die Vorstellungen sind über Wochen weg. Filmstarts berichtete am 23. Juli, dass in London alle Vorführungen bis zum 10. September vergriffen seien. In Los Angeles und New York gebe es bis mindestens 19. August keine Karten mehr, kurzfristig aufgestockte Sondertermine seien „nach wenigen Stunden restlos ausverkauft“. Für Prag und Brüssel schreibt Barbara Schweizerhof im „Freitag“, verfügbar seien „allenfalls noch Rollstuhlsitze oder solche in der ersten Reihe“.

Kein Kino in der Bundesrepublik hat die spezielle Ausrüstung für das gigantische Bildformat.
- Luis Neumann Pérez, Netzwelt

Sieben Versionen, aber nicht die eine

Für den deutschen Markt bleiben laut Moviepilot sechs andere Fassungen: 70mm-Film ohne IMAX, 35mm, digitales IMAX, Dolby Cinema, Premium Large Format und die reguläre Digitalprojektion. Alle mit engerem Bildformat als die im IMAX 70mm sichtbaren 1.43:1, für die Nolan bei allen Innen- und Aussenaufnahmen des knapp dreistündigen Films gearbeitet hat. Universal-Distributor und Kinobetreiber verweisen darauf, dass die deutschen Vorstellungen im 70mm-Format immerhin die Kornstruktur des analogen Filmmaterials zeigen - nur eben im schmaleren Cinemascope-Verhältnis 2.20:1.

Die kommerziellen Zahlen für Deutschland liegen weiter im Plan: Nach 530.000 verkauften Karten am Startwochenende ist Deutschland laut Universal der fünftgrößte Auslandsmarkt. Die Enttäuschung der Puristen ändert daran nichts, sie füttert eher die IMAX-Nachfrage in den Nachbarländern. Barbara Schweizerhof beschrieb es im „Freitag“ als das, „was man alles nicht zu sehen bekommt, wenn man sich fürs ‚normale‘ Kino entscheidet“.

Länger als geplant im Programm

Immerhin: IMAX hat laut Filmstarts bereits Verträge mit anderen Studios geschlossen, deren Filme in den kommenden Wochen ebenfalls auf den knapp verfügbaren 70mm-Screens laufen sollen - darunter „The End Of Oak Street“ und „Resident Evil“. Diese Titel haben allerdings keine Exklusivvereinbarung, sodass „Die Odyssee“ laut Bericht auch nach der offiziellen Exklusivphase noch vereinzelt weiter im Programm bleiben dürfte. Für Fans, die auf eine deutsche IMAX-70mm-Nachrüstung hoffen, ist das die realistischere Option: Der Film wird länger im Kino sein als geplant, die Sitze in Prag könnten irgendwann wieder frei werden.