Christopher Nolans „Die Odyssee“ hat am ersten Wochenende weltweit 257,8 Millionen US-Dollar eingespielt und damit den bisher größten globalen Kinostart des Regisseurs hingelegt. Universal Pictures verbuchte in den USA 120,5 Millionen Dollar, hinzu kamen 137,3 Millionen auf 73 internationalen Märkten. Das berichten Deadline und der Hollywood Reporter am 19. Juli unter Berufung auf die vorläufigen Wochenendzahlen.

Bislang stand „The Dark Knight Rises“ mit 249 Millionen Dollar globalem Start an der Spitze von Nolans Filmografie. In den USA reicht das Ergebnis für den drittgrößten Auftakt seines Werks: 160 Millionen Dollar von „Dark Knight Rises“ und 158 Millionen von „The Dark Knight“ bleiben unerreicht, doch das Damon-Vehikel schlägt „Oppenheimer“ aus dem Jahr 2023 mit dessen 82,4 Millionen Dollar deutlich. Am Freitag verkaufte der Film in Nordamerika auf 3.900 Leinwänden 51,2 Millionen Dollar Tickets, so die Analyse von Ryan Gajewski beim Hollywood Reporter.

IMAX-Wette geht auf

Der IMAX-Anteil trägt einen erheblichen Teil des Ergebnisses. Rund 30 Millionen Dollar spielte die Fassung im Großbildformat allein in Nordamerika ein, das entspricht etwa einem Viertel des dortigen Umsatzes. International steuerten IMAX-Häuser weitere 22 Millionen Dollar bei. „Die Odyssee“ ist der erste Spielfilm, der durchgehend mit 15-Perf-70-mm-IMAX-Kameras aufgenommen wurde; die Wette auf Kinosäle, die dieses Format überhaupt zeigen können, hat Universal offenkundig ausgezahlt.

Für die deutschen Kinos hatte kino.de am Freitag bereits einen Auftakt von rund 100.000 Karten und 1,3 Millionen Euro Umsatz gemeldet; Prognosen für das gesamte Startwochenende in Deutschland lagen bei 500.000 verkauften Tickets. Autor Hy Quan Quach ordnete die weltweiten Zahlen am Sonntag ein.

Es ist ein Ausrufezeichen mit deutlicher Botschaft: Entgegen der massiven Hasswelle und Fan-Kritik entwickelt sich Christopher Nolans „Die Odyssee“ zum weltweiten Kinoerfolg.
- Hy Quan Quach, kino.de

Trotz Trailer-Ablehnung und 250-Millionen-Produktion

Die Startzahlen stehen im Kontrast zum Online-Empfang der Vorabmaterialien. Der finale Trailer sammelte auf YouTube fast 900.000 Ablehnungen und rangiert damit unter den unbeliebtesten Trailern der Hollywood-Geschichte, wie kino.de festhält. Publikum und Kritik folgen dem Film dennoch: Auf Rotten Tomatoes stehen 95 Prozent bei den Kritikern und 97 Prozent bei den Zuschauern, der CinemaScore-Wert liegt bei A.

Wirtschaftlich hat Universal mit „Die Odyssee“ eine der teuersten Produktionen des Jahres in den Markt geschickt. Deadline beziffert das Nettobudget auf 250 Millionen Dollar, dazu kommen etwa 125 Millionen Dollar Marketingaufwand. Um in die Gewinnzone zu kommen, muss der Film weltweit rund 625 Millionen Dollar einspielen. Nach zwei Tagen ist er auf gut 40 Prozent dieser Schwelle. Im 2026er Vergleich bleibt „Die Odyssee“ hinter den Animationswerken „Toy Story 5“ mit 159 Millionen Dollar US-Start und „The Super Mario Galaxy Movie“ mit 131 Millionen zurück, führt aber die Realverfilmungen des Jahres an.

Für Nolan selbst markiert das Ergebnis einen weiteren Schub: Nach dem Oscar-Erfolg von „Oppenheimer“ und dem Wechsel von Warner zu Universal war die Homer-Adaption ein finanzielles Risiko, das nun ohne Franchise-Kissen aufgeht. Matt Damons Hauptrolle als Odysseus liefert die kommerzielle Trägerrakete, Anne Hathaway und Tom Holland spielen den Ithaka-Handlungsstrang. Die zweite Woche wird zeigen, ob der Word-of-Mouth die Startenergie in eine längere Laufzeit trägt oder ob das Publikum nach dem Ereignis-Wochenende schnell zu den kommenden Animationsstarts abwandert.