Deutschlands Stromerzeugung hat in den ersten neun Monaten des Jahres einen neuen Höchstwert bei den Erneuerbaren erreicht. Von Januar bis September lieferten Wind, Sonne, Wasser und Biomasse 237,5 Milliarden Kilowattstunden, wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) am Mittwoch mitteilten. Das sind 8,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Am gesamten Stromverbrauch deckten die Erneuerbaren nach den Berechnungen 60,7 Prozent ab, vier Prozentpunkte mehr als in den ersten neun Monaten 2025. Treiber waren vor allem Onshore- und Offshore-Wind sowie die Photovoltaik, deren installierte Leistung in den vergangenen zwölf Monaten noch einmal deutlich zugelegt hatte. Der September war laut BDEW einer der windreichsten Monate seit Beginn der statistischen Erhebung.

BDEW-Chefin Kerstin Andreae nannte den Wert zwar einen „historischen Zwischenstand", mahnte aber zur Eile. Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch nach Beschluss der Bundesregierung auf 80 Prozent steigen - knapp zwanzig Prozentpunkte Luft nach oben in weniger als vier Jahren. Andreae forderte eine zeitnahe Einigung beim Erneuerbare-Energien-Gesetz und ein Beschleunigungspaket für den Ausbau der Verteilnetze.

Ohne Beschleunigungspaket für die Verteilnetze reicht der Zubau an Wind und Sonne nicht aus, um das Ziel 2030 zu halten.
- Kerstin Andreae, BDEW-Hauptgeschäftsführerin

ZSW-Vorstand Frithjof Staiß verwies auf den Rückenwind durch die kleinen Dachanlagen. Dezentrale Photovoltaik, Mieterstrom-Modelle und Batteriespeicher in Privathaushalten hätten „stillschweigend" einen zweistelligen Anteil am diesjährigen Zubau geliefert. Zugleich warnte er vor einem rasch wachsenden Strombedarf durch Wärmepumpen, E-Mobilität und Rechenzentren.

Für die Bundesregierung ist die Statistik politisch doppeldeutig. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU hatte zu Jahresbeginn das 80-Prozent-Ziel bekräftigt, zugleich aber den Zubau neuer Windkraftanlagen an Land gedrosselt und mehrere Flächenausweisungen bremsen lassen. Der Bund-Länder-Gipfel zum neuen Energiewendegesetz ist für den 23. Oktober im Kanzleramt angesetzt. Dort sollen Union und SPD klären, wie viele Gigawatt in den kommenden Jahren tatsächlich ausgeschrieben werden.

Dass der 60-Prozent-Marke eine Normalisierung folgt, erwarten die Autoren der Statistik nicht. BDEW und ZSW rechnen bereits für das Jahresende 2026 mit einem Jahresanteil von etwa 59 Prozent - der Oktober bringt in der Regel schwächere Windwochen. Das Rekordjahr 2025 lag am Ende bei 56 Prozent.