Santa Clara. Wenn Österreich am Mittwoch um 06:00 Uhr MESZ im Levi's Stadium gegen Jordanien antritt, beginnt für die ÖFB-Elf nach 28 Jahren wieder eine WM. Das letzte WM-Spiel der Österreicher war das 1:1 gegen Chile am 23. Juni 1998 in Saint-Étienne. Bundestrainer Ralf Rangnick führt sein Team in Gruppe J, in der neben dem WM-Debütanten Jordanien noch Weltmeister Argentinien und Algerien stehen.

Rangnick warnt vor dem Außenseiter. „Dieser Gegner wird nur von denjenigen, die sich noch nicht so intensiv mit ihm beschäftigt haben wie wir, als leicht beschrieben. Das hat nichts mit San Marino oder den Färöern zu tun“, sagte der Bundestrainer auf der abschließenden Pressekonferenz, wie LAOLA1 berichtet. Er rechnet mit „einem Gegner mit Dreier- oder Fünferkette, mit einem sehr kompakten mannschaftlichen Verhalten, immer darauf aus, dem Gegner die Räume extrem eng zu machen und dann schnell umzuschalten“. Der Bundestrainer verweist auf den Auftakt-Tag der WM, an dem Iran gegen Neuseeland 2:2 spielte und Saudi-Arabien gegen Uruguay einen Punkt holte.

Die Spiele haben nochmal gezeigt, wie viel man auf Favoritenrollen oder FIFA-Weltranglistenplätze geben kann.
- Ralf Rangnick, Österreich-Bundestrainer (LAOLA1)

Jordanien: Sellami, Al-Tamari und ein historischer Auftritt

Für Jordanien ist es die erste WM-Teilnahme der Geschichte. Trainer ist seit 2024 der Marokkaner Jamal Sellami, dem König Abdullah II. nach geglückter Qualifikation persönlich die jordanische Staatsbürgerschaft verlieh. Wie ZDFheute berichtet, führte Sellami das Team im Dezember 2025 ins Finale des FIFA-Arabien-Cups, in dem es 2:3 gegen Marokko verlor. In der asiatischen Qualifikation belegte Jordanien Rang zwei hinter Südkorea.

Gefährlichster Spieler ist Mousa Al-Tamari, Rechtsaußen bei Stade Rennes - der erste Jordanier in einer der fünf europäischen Topligen. Stürmer Ali Olwan erzielte in der Qualifikation neun Tore, darunter alle drei beim entscheidenden 3:0 gegen Oman, kämpft laut ZDFheute aber mit einer Bänderverletzung im Sprunggelenk. Yazan Al-Naimat fehlt nach Kreuzbandriss im Arabien-Cup-Viertelfinale gegen den Irak komplett. Vor dem Auftakt verloren die Jordanier ihre vergangenen fünf Länderspiele in Folge.

Arnautović, Sabitzer und Alaba

Auf österreichischer Seite ist die Stammelf weitgehend gesetzt. Kapitän Marko Arnautović, mit 37 Jahren der älteste Feldspieler im Aufgebot, erzielte in der Qualifikation acht Tore - doppelt so viele wie der zweitbeste Schütze. Marcel Sabitzer kam in der UEFA-Qualifikation auf 16 Torschüsse, mehr brachte mit 28 nur Erling Haaland zustande. Hinten stabilisieren David Alaba und Torhüter Alexander Schlager. Der Opta-Supercomputer beziffert Österreichs Siegwahrscheinlichkeit auf 70,3 Prozent, die der Jordanier auf 12,9.

Rangnick bleibt zurückhaltend optimistisch. „Wenn wir das so auf den Platz bringen, wie es im Training ausgesehen hat, mache ich mir keine Sorgen“, sagte er gegenüber LAOLA1. Mittelfeldspieler Xaver Schlager fasste die Erwartung im ORF zusammen: „Wir werden eher den Ball haben. Das sind die schwierigeren Spiele, wenn der Gegner auf Fehler wartet.“ Sollte Österreich gegen den krassen Außenseiter patzen, droht in Gruppe J mit Argentinien und Algerien der frühe K.O. - so wie es dem ÖFB-Team zuletzt in Frankreich 1998 ergangen war.