Das ZDF-Biopic „Olivia“ hat am Mittwochabend die Primetime gewonnen. 3,59 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer schalteten ab 20:15 Uhr im Ersten ein, der Marktanteil lag bei 17,4 Prozent, wie die Heilbronner Stimme unter Berufung auf die GfK-Daten meldet. RTLs Wiederholung des US-Films „Barbie“ kam zur gleichen Sendezeit auf rund 570.000 Zuschauer und 2,9 Prozent Marktanteil.
Der 90-minütige Film unter der Regie von Till Endemann zeichnet den Weg vom kleinen Oliver Knöbel aus Springe in Niedersachsen zur Reeperbahn-Ikone Olivia Jones nach. Johannes Hegemann spielt die Hauptrolle, Annette Frier ist als Olivers Mutter zu sehen; produziert hat Florida Film auf Grundlage von Jones' Autobiografie „Ungeschminkt“. Im ZDF-Streamingangebot war der Film bereits seit dem 5. Mai abrufbar; in der Mediathek bleibt er nach Senderangaben verfügbar.
Im Vorfeld der Ausstrahlung hatte Jones in mehreren Interviews offen über die familiäre Geschichte gesprochen, die der Film aufgreift. Gegenüber t-online schilderte die 56-Jährige, wie ihre Mutter sich in der Jugend von ihr distanzierte: Sie habe das Auto an der Schule weiter weg geparkt, „damit niemand sieht, dass sie mich abholt“. Ein Bruch über sieben Jahre habe sich erst durch eine Therapie auflösen lassen. „Ich habe meiner Mutter verziehen, weil ich sie heute viel besser verstehe“, sagte Jones.
Ich hatte sehr viel Gegenwind. Nicht nur von der Familie, sondern auch von der Gesellschaft. Das ist für einen jungen Menschen in einer so prägenden Phase sehr schwierig.
Queere Rechte
Den medialen Auftritt nutzte Jones auch, um auf die politische Lage queerer Menschen aufmerksam zu machen. Die Rechte sehe sie wieder stark bedroht, sagte sie der Wetterauer Zeitung: Die Gewalt gegen Homosexuelle steige, hinzu kämen Ausgrenzung und „der weltweite Rechtsruck“. Stillschweigen bringe niemanden weiter. Bereits in den vergangenen Monaten hatte sich Jones in Hamburg für queere Sichtbarkeit und gegen die AfD positioniert.
Der Erfolg der Verfilmung liegt für das ZDF auch im Vergleich zu anderen biografischen Stoffen: Die ARD-Drama-Konkurrenz „Wer ohne Schuld ist“ erreichte am Mittwoch 2,57 Millionen Zuschauer und 12,5 Prozent Marktanteil. Olivia Jones, mit bürgerlichem Namen Oliver Knöbel, betreibt mehrere Bars auf St. Pauli und ist seit Jahren als Stadtführerin, Talkshow-Gast und Unternehmerin in der Öffentlichkeit präsent. Das Drehbuch von David Ungureit folgt der 2017 erschienenen Autobiografie.