OpenAI hat seinen Werbedienst am Mittwoch für alle US-Firmen freigegeben. Über die neue Self-Service-Plattform „Advertise in ChatGPT“ können Werbekunden ab sofort ohne Mindestbudget Kampagnen buchen, Zielgruppen definieren und die Auslieferung im Chatbot messen. Zum offiziellen Start liefen bereits Kampagnen von Best Buy, Lowe's und VistaPrint, wie das Unternehmen mitteilte.
Anzeigen erscheinen unterhalb der ChatGPT-Antworten und tragen ein Sponsored-Label. Bezahlbare Werbung bekommen ausschließlich erwachsene Nutzer der Gratis-Version sowie des günstigen Abos „ChatGPT Go“ zu sehen; die kostenpflichtigen Tarife Plus, Pro und Business bleiben laut OpenAI werbefrei. Für unter 18-Jährige seien die Anzeigen komplett gesperrt.
Das Angebot ist der Vollstart eines Systems, das OpenAI Anfang Mai in einer Beta für ausgewählte US-Kunden geöffnet hatte. Damals galt noch eine Einstiegshürde von 50.000 Dollar Mindestbudget. Diese Grenze fällt mit dem heutigen Rollout. Innerhalb der sechs Wochen Beta habe man rund 600 Werbekunden gewonnen, berichten US-Fachmedien; die annualisierten Werbeeinnahmen sollen bei etwa 100 Millionen Dollar liegen.
Kontext statt Keyword
Die Ausspielung folgt einem Prinzip, das OpenAI „Context Hints“ nennt. Werbetreibende beschreiben Gesprächsthemen, in denen ihre Anzeigen erscheinen sollen, statt einzelne Suchbegriffe zu ersteigern. „Diese Hinweise steuern das Matching, sind aber keine Exact-Match-Regeln“, heißt es in der Dokumentation von OpenAI. Abgerechnet wird nach Klick (CPC), Conversions lassen sich per Pixel oder Server-API zurückspielen.
Für Verlage bringt der Start eine technische Bedingung mit sich: Wer nicht in den Suchergebnissen des ChatGPT-Werbenetzes auftauchen will, kann die Crawler „OAI-AdsBot“ und „OAI-SearchBot“ per robots.txt aussperren. Wer sichtbar bleiben will, muss beide Bots zulassen. Organische Shopping-Treffer und bezahlte Anzeigen laufen dabei getrennt, wie OpenAI in seinen Werberichtlinien betont.
Die Werbung habe keinen Einfluss auf die von seiner Künstlichen Intelligenz generierten Antworten und werde strikt von diesen getrennt.
DACH-Region bleibt außen vor
Deutsche Werbekunden können den Ads Manager noch nicht nutzen. Nach dem heutigen Rollout ist die Plattform in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland offen; Tests laufen zudem in Großbritannien, Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea. Für den europäischen Markt baue OpenAI Teams in Frankreich, Deutschland und Irland auf, hatte das Unternehmen am 9. Juli angekündigt. Ein konkreter Startzeitpunkt für die DACH-Region wurde nicht genannt.
Der schnelle Ausbau ist wirtschaftlich getrieben. OpenAI zählt nach eigenen Angaben rund 800 Millionen wöchentliche Nutzer und steht wegen milliardenschwerer Rechenzentrums-Investitionen unter Ertragsdruck. Erst am Vortag hatte das Wall Street Journal berichtet, dass ein geplantes Gigawatt-Rechenzentrum in Deutschland an der Frage der Stromversorgung scheiterte. Der Handelsblatt verweist zudem auf den absehbaren Börsengang, der zusätzliche Umsatzsäulen braucht.
Skepsis gegenüber dem Modell blieb bestehen. Sam Altman hatte in früheren Interviews erklärt, er hasse Werbung, weil bezahlte Antworten die beste Antwort verdrängen könnten. Analystin Jeremy Goldman vom Marktforscher eMarketer warnte gegenüber der Nachrichtenagentur, Nutzer könnten zu Alternativen wie Google oder Anthropic wechseln, falls Anzeigen den Dialog stören. Der öffentliche Start ist damit auch ein Test, wie viel Werbetoleranz die ChatGPT-Basis hat.