Mit dem Morgengebet am Mittwoch hat in Deutschland und weltweit das Opferfest begonnen. Eid al-Adha, türkisch Kurban Bayramı, gehört zu den höchsten Festen im islamischen Kalender und fällt 2026 auf den 27. bis 30. Mai. Die DITIB-Zentralmoschee in Essen lud zum Festgebet um 6:05 Uhr, in größeren deutschen Städten wurden die Moscheen kurz nach Sonnenaufgang voll. Der Anlass: Das Fest erinnert an die im Koran überlieferte Bereitschaft Ibrahims, seinen Sohn Ismail aus Gehorsam gegenüber Gott zu opfern - und ist zugleich der Schlusspunkt der Pilgerfahrt nach Mekka.
In Saudi-Arabien hat der Hadsch in diesem Jahr unter außergewöhnlich angespannten Bedingungen stattgefunden. Mehr als 1,5 Millionen ausländische Pilger waren nach offiziellen Angaben angereist, gemeinsam mit hunderttausenden Gläubigen aus dem Königreich selbst; mit Abstand größtes Herkunftsland war Indonesien mit rund 220.000 Teilnehmenden, gefolgt von Pakistan und Indien. Am Montag versammelten sich die Pilger in weißen Pilgergewändern am Berg Arafat, dem zentralen Ritual des Hadsch. Die Sonntagsblatt-Redaktion sprach von einer Wallfahrt „trotz Krieg und Hitze“.
Flugabwehr über den heiligen Stätten
Hintergrund ist der Krieg zwischen Iran, Israel und den USA, der die Region seit Monaten erschüttert. Iran hatte Saudi-Arabien im Verlauf des Konflikts wiederholt mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern angegriffen. Die saudische Luftverteidigung fing nach eigenen Angaben den Großteil ab; einzelne Treffer trafen Wohngebiete, Energieanlagen und die US-Botschaft in Riad. Vor Beginn des Hadsch veröffentlichte das saudische Verteidigungsministerium Aufnahmen, in denen Flugabwehrbatterien rund um Mekka in Stellung gingen, wie SRF berichtet. Die US-Botschaft in Riad hatte amerikanischen Staatsbürgern von einer Teilnahme abgeraten.
Die zweite Bedrohung ist meteorologisch. Für Mekka waren Spitzentemperaturen von bis zu 47 Grad Celsius vorhergesagt. Im Jahr 2024 starben unter ähnlichen Bedingungen mehr als 1.300 Pilger; 658 von ihnen kamen aus Ägypten und hatten überwiegend mit Touristenvisa ohne Zugang zu klimatisierten Wartezelten gereist, wie die Sonntagsblatt-Reportage von Oliver Marquart festhält. Die Behörden setzten daher Sanitäter, hunderte Wassernebel-Anlagen und Beschattungen ein. Drohnen und KI-gestützte Kameras sollen Menschenmassen überwachen und Gedränge frühzeitig erkennen - Konsequenz aus der Massenpanik von 2015 mit damals rund 2.500 Toten.
In Deutschland: Gebete, Spenden, Stille Feiertage
In Deutschland leben nach Schätzungen rund 5,5 Millionen Musliminnen und Muslime, für sie ist das Opferfest der wichtigste familiäre Anlass des Jahres. Anders als das Zuckerfest bleibt Eid al-Adha bundesweit kein gesetzlicher Feiertag, in den meisten Ländern können muslimische Schülerinnen und Schüler sich jedoch für den ersten Festtag vom Unterricht befreien lassen. DITIB veröffentlichte zum Festtag eine Predigtvorlage unter dem Titel „Das Opferfest: Ibrahim sein und die Hingabe nach Ismails Vorbild“. Die Tradition des rituellen Schlachtens spielt in Deutschland nur am Rand eine Rolle - die meisten Familien lassen ein Tier symbolisch im Ausland schlachten und das Fleisch an Bedürftige verteilen.
Wie schon im Vorjahr verschiebt sich der Termin des Festes jährlich um rund elf Tage nach vorn, weil der islamische Kalender dem Mondzyklus folgt. 2027 wird Eid al-Adha voraussichtlich Mitte Mai liegen - und damit erneut in eine Phase fallen, in der die Hitze in Saudi-Arabien das Risiko für Pilger erhöht.