Nach mehr als anderthalb Jahren Sanierung liegen die Gebeine Kaiser Ottos des Großen wieder in ihrem Grab im Hohen Chor des Magdeburger Doms. Bei einem ökumenischen Festgottesdienst am Montag senkten Vertreter beider Kirchen einen neuen Sarg aus Titan, Feinsilber und Feingold in den restaurierten Kalksteinsarkophag - fast 1053 Jahre nach dem Tod des ersten römisch-deutschen Kaisers am 7. Mai 973 in Memleben.

Der Sarg stammt von der Hallenser Schmuckkünstlerin Silke Trekel, deren Entwurf „Torsion und Konsolidierung“ einen internationalen Wettbewerb gewonnen hatte. Nötig geworden war die Sanierung, weil das Grabmal Risse aufwies: Korrodierte Eisenklammern aus einer Reparatur im 18. Jahrhundert hatten den Kalkstein gesprengt, eine 300 Kilogramm schwere Marmorplatte drohte den Sarkophag zu zerdrücken. Im Januar 2025 war die Grablege deshalb geöffnet worden, im Juni 2025 folgte die Bergung der Gebeine.

Wir geben Otto seine Totenruhe zurück. Ein Rassist kann nicht Deutscher sein. Dem lasst uns fröhlich widerstehen.
- Friedrich Kramer, mitteldeutscher Landesbischof

Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer und der katholische Bischof Gerhard Feige führten den Gottesdienst gemeinsam. Kramer verband die Wiederbeisetzung mit einer politischen Positionierung, wie der Domradio berichtet, und mahnte, Otto habe europäisch und christlich gedacht. Feige nannte den Kaiser „nicht nur eine äußerst markante Person der Vergangenheit“, sondern erinnerte an das christliche Menschenbild: „Für Gott ist jeder Mensch sein Ebenbild und damit einmalig, kostbar.“ Der voll besetzte Dom folgte der Zeremonie in Stille.

Politik gegen Vereinnahmung

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nutzten ihre Grußworte, um sich gegen eine rechte Vereinnahmung des Kaisers zu verwahren. „Ich finde es schlimm, dass in diesen Zeiten einige Otto missbrauchen wollen für eine Ideologie“, sagte Schulze laut Domradio. „Das gab es schon mal, das wollen wir nicht.“ Weimer richtete das Wort direkt an den Toten: „Sie sind in erster Linie Europäer. Sie haben europäisch gedacht und gehandelt.“ Guter deutscher Patriotismus sei „immer europäischer Patriotismus“.

Der Prähistoriker Donat Wehner vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hatte im Vorfeld auf ZDFheute erklärt, Otto habe sich selbst „als Sachse, als ostfränkischer König und römischer Kaiser“ verstanden - weder als deutscher König noch als deutscher Kaiser. Die Untersuchungen im Rahmen der Sanierung ergaben, dass der Kaiser mit gut 1,80 Meter deutlich über dem Durchschnitt seiner Zeitgenossen lag. Projektleiter Veit Dresely stellte eine spätere Gesichtsrekonstruktion in Aussicht: „Der Gesichtsschädel ist sehr gut erhalten, das heißt, dass wir eine an der Realität sehr nahestehende Gesichtsrekonstruktion von ihm erwarten können.“ Nachgewiesen wurden zudem Arthrose in den Knien, alte Kopfverletzungen und fehlende Zähne.

Ein neuer Sarg für einen alten Kaiser

Der von Trekel gefertigte Sarg soll nach Angaben des Bistums Magdeburg die Materialien so verbinden, dass sie „Stabilität, Beständigkeit und ästhetische Vornehmheit“ vereinen. Der historische Holzsarg im Inneren des Kalksteinsarkophags war weitgehend zerfallen. Otto I., 936 zum König erhoben, 962 in Rom zum Kaiser gekrönt und Begründer des ottonischen Reiches, hatte selbst die Bestattung im Magdeburger Dom gewünscht. Das Grabmal ist seit dem Mittelalter Anziehungspunkt für Pilger und Touristen. Der Dom kündigte an, das Grab nach einer kurzen Bauphase wieder öffentlich zugänglich zu machen.