Vier Tage vor dem deutschen WM-Auftakt gegen Curaçao hat Assan Ouédraogo am Mittwoch in Winston-Salem zum ersten Mal über seine Nachnominierung gesprochen. Der 20-jährige Leipziger war kurzfristig für den am Oberschenkel verletzten Lennart Karl in den DFB-Kader gerückt, der Anruf von Bundestrainer Julian Nagelsmann erreichte ihn im Urlaub im spanischen Marbella. Bei der Pressekonferenz im WM-Quartier des DFB-Teams schilderte Ouédraogo die Szene mit einer Offenheit, die einen Saal voller Reporter zum Lachen brachte.
„Ich lag tatsächlich auf der Liege und war unfassbar am Chillen mit meinen Jungs“, zitiert ihn t-online. „Dann kam der Anruf und ich war direkt von 0 auf 180.“ Er sei „um die Ecke gerannt, damit mich keiner hört“, habe sich „unfassbar gefreut“ und gar nicht gewusst, was er in dem Moment tun solle. Auch seine Schwester habe ihm zunächst nicht geglaubt.
Eine Emotionsexplosion. Ich wusste gar nicht, was ich machen soll in dem Moment.
Nagelsmann selbst sei skeptisch gewesen, ob der Spieler den Ernst der Lage erfasse. Auf der Pressekonferenz erzählte Ouédraogo, der Bundestrainer habe ihn schlicht gefragt, ob er gerade betrunken sei. Sein Konter laut Fußballnationalmannschaft.net: „Ich trinke aber so oder so nicht und habe direkt gesagt: Passt alles.“ Aus Marbella sei er zunächst nach Hause geflogen, um seine Fußballschuhe zu holen, bevor es weiter über den Atlantik ging.
Erster im Quartier, voll im Saft
Ouédraogo war nach seiner Anreise nach DFB-Angaben der erste Spieler, der das Mannschaftsquartier in Winston-Salem in North Carolina bezog, weil das Team aus Chicago erst am Montag nachgeflogen war. Auf die Frage nach seinem Fitnessstand antwortete er knapp: „Ich bin voll im Saft.“ Wie Sky Sport bereits am Freitag berichtet hatte, begründete Nagelsmann die Entscheidung für den Leipziger gegenüber dem Kölner Said El Mala mit dem Spielrhythmus - Ouédraogo hatte im Saisonendspurt regelmäßig in der Bundesliga gespielt, El Mala zuletzt am 16. Mai.
Mit ihm in der Mixed Zone trat David Raum auf, der nach der starken Generalprobe in Chicago um seinen Platz auf der linken Außenbahn kämpft. „So ein Turnier ist lang. Ich akzeptiere meine Rolle - und komme ich rein, gebe ich alles“, sagte Raum laut Fußballnationalmannschaft.net. „Selbst, wenn ich am Anfang nicht starte, weiß die Mannschaft, dass sie sich auf mich verlassen kann.“ Nathaniel Brown hatte beim 2:1 gegen die USA das Spiel von links eröffnet.
Für Ouédraogo ist es die zweite Berufung in die A-Nationalmannschaft. Im November hatte er beim 6:0-Sieg in der WM-Qualifikation gegen die Slowakei in Leipzig debütiert und prompt getroffen, bevor ihn zwei Knieverletzungen monatelang stoppten. Erst Anfang April kehrte er bei RB Leipzig zurück. Dass er nun in Houston gegen Curaçao tatsächlich auf dem Platz steht, gilt im DFB-Tross eher als unwahrscheinlich - die Geschichte vom Anruf in Marbella allerdings dürfte ihn durch das Turnier begleiten.